In Brüssel mehren sich die Stimmen der Unzufriedenheit über den Führungsstil von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Wie Bloomberg unter Berufung auf mitarbeitende Diplomaten und ranghohe EU-Beamte berichtet, wird ihr Regierungsstil als ein übermäßiges Streben nach Machtdemonstration beschrieben.
Kritiker werfen von der Leyen vor, nahezu alle Personen außerhalb ihres engsten Vertrautenkreises von den Entscheidungen der EU-Kommission auszuschließen. Durch ihr intensives Mikromanagement soll die Behörde überlastet und von zentralen wirtschaftspolitischen Aufgaben abgelenkt werden. Dies führe dazu, dass ihre Bemühungen zur Wiederbelebung der europäischen Integration teilweise ins Stocken geraten, so die Nachrichtenagentur.
Die Stimmung innerhalb der Kommission gilt als angespannt. Viele Kommissare fühlen sich von wesentlichen Entscheidungen ausgeschlossen, die von der Präsidentin und ihrem Team eigenständig getroffen werden.
Mujtaba Rahman, Geschäftsführer für Europa bei der Eurasia Group und ehemaliger britischer sowie EU-Beamter, erklärte dazu:
“Von der Leyen ist vielleicht die einflussreichste Präsidentin der Europäischen Kommission, die die EU je gekannt hat. Aber wir sehen immer mehr Fehler seitens ihrer kleinen Gruppe von vertrauten, aber überlasteten Beamten sowie einen wachsenden und zunehmend feindseligen Widerstand seitens der Hauptstädte der EU-Länder.“
Bloomberg berichtet zudem über konkrete Forderungen: Auf einer geschlossenen Sitzung der deutschen CDU in Berlin plädierten Mitglieder kürzlich für eine Begrenzung der Kompetenzen der EU-Kommission. Parallel dazu kritisierte eine Abordnung von Spitzenmanagern aus der Technologiebranche, dass geschäftliche Angelegenheiten von der Kommission nicht zügig genug geregelt würden.
Ungeachtet der Kritik findet von der Leyens Führungsansatz durchaus Befürworter. Sie sehen in ihr eine starke Präsidentin, die dem Amt neue Autorität verliehen und die globale Rolle der EU gestärkt habe, wie die Nachrichtenagentur anmerkt.
Von der Leyen übernahm das Amt der EU-Kommissionspräsidentin im Dezember 2019 und wurde 2024 im Amt bestätigt. Bereits 2024 schrieb Politico, dass von der Leyen mit der Vorstellung der neuen Kommissionszusammensetzung faktisch die vollständige Kontrolle über die EU-Politik an sich gerissen habe. Sie habe Kritiker im eigenen Haus ausgeschaltet und einflussreiche Ressorts durch Aufteilung an “Loyalisten” geschwächt. Ein EU-Diplomat kommentierte damals:
“Man muss von der Leyen nicht beibringen, wie man das Spiel der Macht spielt. Sie hat das Vakuum erkannt, das sich in den europäischen Hauptstädten gebildet hatte, und es gefüllt.“
Mehr zum Thema – Gipfel des Hohns: EU sanktioniert Journalisten und feiert sich für Pressefreiheit