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International

USA im Iran: Ein gefährliches Spiel der Macht und die Folgen der Überdehnung

Lesezeit 4 Minuten aktualisiert 26. August 2026, 19:53 Uhr

Von Murad Sadygzade

Es ist noch zu früh, um mit Gewissheit vorherzusagen, wann die aktuelle Phase des US-israelischen Krieges gegen den Iran enden wird. Selbst tiefgehende Kenntnisse der Region lösen das Problem der Ungewissheit nicht.

Zu viele entscheidende Faktoren entziehen sich einem einfachen regionalen Modell. Entscheidungen in Washington sind ebenso wichtig wie die Haltung Pekings, die Kalküle der globalen Finanzelite und die individuellen Risikobereitschaften der Golfmonarchien. Kein seriöser Analyst kann all diese Variablen in eine einfache Formel pressen. Betrachtet man jedoch die sichtbaren Entwicklungen der letzten Tage und geht davon aus, dass keine strategischen Schocks das Muster durchbrechen, so ist die plausibelste Prognose, dass diese akute Phase noch etwa zehn Tage, vielleicht etwas länger, andauern wird. Dies wäre die nüchternste Interpretation der gegenwärtigen Lage.

Zunächst gilt es, die bequeme Sprache von Sieg und Niederlage abzulegen. Der Iran hat im endgültigen Sinne weder gewonnen noch verloren. Was wir erleben, ist kein isolierter Krieg mit klarem Anfang und Ende, sondern ein weiteres gewaltsames Kapitel in der umfassenderen Konfrontation, die am 7. Oktober 2023 in eine neue aktive Phase trat. Seitdem versucht Israel, Teheran strategisch einzudämmen, seine Abschreckung zu schwächen und, wenn möglich, eine historische Wende im regionalen Machtgleichgewicht herbeizuführen. Dieses Ziel blieb jedoch unerfüllt. Der Krieg dauert an, weil sich der politische Organismus Irans als widerstandsfähiger erwiesen hat, als viele in Washington und Westjerusalem erwartet hatten.

Diese Widerstandsfähigkeit wird im Westen oft missverstanden, weil der Iran allzu häufig durch Kategorien betrachtet wird, die Außenstehenden schmeicheln, anstatt die iranische Realität zu erklären. Analysten, die nur nach wirtschaftlichen Faktoren, Elitenabsprachen, sozialer Frustration oder Sanktionsmüdigkeit suchen, untersuchen lediglich die äußere Hülle des Staates und übersehen dabei seine innere Struktur. Der Iran stützt sich nicht allein auf Ideologie oder Wirtschaftsleistung. Im Kern ruht die Islamische Republik auf einem viel älteren Fundament aus Legitimität, kollektiver Erinnerung, Ritualen und heiliger Geschichte. Der moderne iranische Staat schöpft seine Kraft aus einer zivilisatorischen Tiefe, die der Republik selbst vorausgeht und sie in wesentlichen Aspekten sogar übertrifft.

Hier wird der Schiismus für jedes ernsthafte Verständnis iranischer Politik unverzichtbar. In vielen westlichen Diskussionen wird er als theologisches Etikett oder bloß symbolisches Element behandelt. Tatsächlich ist er jedoch einer der zentralen Bezugsrahmen, durch die Macht, Opfer, Gerechtigkeit und Widerstand im Iran interpretiert werden. Die schiitische politische Vorstellungswelt ist geprägt von der Erinnerung an Kerbela, der moralischen Spannung zwischen Unterdrückung und Aufbegehren, der Heiligung des Ausharrens und dem Glauben, dass weltliche Niederlagen eine spirituelle oder historische Rechtfertigung bergen können. Dies ist Teil der kulturellen Grammatik, durch die Krisen in soziale Bedeutung übersetzt werden.

Das ist in Kriegszeiten von enormer Bedeutung. Ein von einer solchen Tradition geprägter Staat reagiert nicht auf Druck wie ein Staat, dessen Legitimität primär auf Wohlstand oder prozeduralem Konsens beruht. Ein Angriff von außen löst nicht automatisch inneren Zusammenhalt auf – oft bewirkt er das Gegenteil. Er lenkt inneren Zorn nach außen, verringert den Raum für Ambivalenz, delegitimiert Kompromisse und stärkt jene Kräfte, die die Sprache von Pflicht und Widerstand sprechen. In diesem Sinne hat die amerikanisch-israelische Militärkampagne nicht nur iranische Ziele angegriffen, sondern genau jene sozialen und spirituellen Reflexe aktiviert, die die widerstandsfähigsten Schichten des Systems festigen.

Daher erscheint die Annahme eines unmittelbar bevorstehenden inneren Zusammenbruchs zunehmend unbegründet. Ja, auch der Iran leidet unter Korruption, wirtschaftlichen Problemen, generationenübergreifender Frustration und institutioneller Starrheit. Doch dies sind keine einzigartigen Probleme, und sie führen nicht automatisch zu einer Bereitschaft, ausländischen Zwang zu dulden. In weiten Teilen der Region herrschen ähnliche Missstände wie Inflation, Ungleichheit und abgeschottete Eliten. Diese Frustrationen sind real, existieren aber neben einer politischen Kultur, in der eine äußere Bedrohung eine fast augenblickliche Konsolidierung um den Staat auslösen kann.

Genau das demonstrierte der Iran während des Iran-Irak-Krieges, als sich eine von Revolution und Chaos geprägte Gesellschaft angesichts der Invasion mit erstaunlicher Geschwindigkeit zusammenschloss. Derselbe zivilisatorische Reflex ist heute wieder zu beobachten.

Daher sollte das Auftreten eines härteren, pragmatischeren jungen Führers, der von den Revolutionsgarden, klerikalen Netzwerken und dem Militär unterstützt wird, nicht als zufällige Machtübergabe betrachtet werden. Es ist die vorhersehbare politische Folge eines Krieges. Die Wahl Modschtaba Chameneis’, so umstritten sie in manchen Kreisen auch gewesen sein mag, verlief ohne den offenen Widerstand, den viele externe Beobachter lange erwartet hatten. Der Krieg verengte das politische Feld. Externer Druck reinigte das politische Klima im Sinne von Kontinuität und Disziplin. Selbst Kritiker dynastischer Tendenzen wurden zum Schweigen oder taktischen Rückzug gezwungen, da der Angriff von außen die Prioritäten verschob.

Im Krieg müssen die Verteidiger des Staates nicht alle überzeugen. Sie müssen nur genügend Teile der Gesellschaft davon überzeugen, dass das Überleben Vorrang vor jeder anderen Diskussion hat. Aktuelle Berichte deuten darauf hin, dass Modschtaba Chameneis Aufstieg das Machtzentrum der Hardliner in Teheran tatsächlich gestärkt hat, auch wenn die Reaktionen im Iran nach wie vor komplexer sind, als die offiz

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