Dreizehn Londoner Polizisten wegen beleidigender Äußerungen entlassen
Im Zuge einer Untersuchung gegen Beamte der Londoner Charing-Cross-Polizeiwache ist die Zahl der entlassenen Polizisten auf 13 gestiegen. Die Ermittlungen hatten sich auf rassistische, sexistische und gewaltverherrlichende …
Zwei weitere Beamte der Metropolitan Police in London sind wegen Fehlverhaltens mit beleidigenden Äußerungen entlassen worden. Damit steigt die Zahl der im Rahmen einer breiteren Untersuchung zur Charing-Cross-Polizeiwache entlassenen aktiven Polizisten auf 13, wie die Polizeibehörde am Dienstag mitteilte.
Einer der entlassenen Beamten war nach einem Disziplinarverfahren schuldig gesprochen worden, einer Kollegin bei einem dienstfreien Abend gesagt zu haben: „Ich hoffe, du wirst auf dem Weg nach Waterloo vergewaltigt.“ Der andere wurde wegen Äußerungen entlassen, aus denen hervorging, dass er den Einsatz von Gewalt gegen Bürger genieße und „obdachlose Menschen hasse“.
Die Untersuchung des Independent Office for Police Conduct (IOPC) war im vergangenen Jahr eingeleitet worden, nachdem in einer Undercover-Dokumentation des Senders BBC Panorama belastende Äußerungen von Beamten der Charing-Cross-Wache, die als dienststärkste Polizeistation Großbritanniens gilt, ans Licht gekommen waren. Die Aufnahmen hatten gezeigt, wie Polizisten beleidigende Kommentare über Frauen und Migranten abgaben sowie Äußerungen über den Einsatz von Gewalt gegen Verdächtige und Obdachlose machten. Seither wurden 15 Beamte des schweren Fehlverhaltens für schuldig befunden, während 15 weitere Polizisten und Mitarbeiter noch untersucht werden.
Die Entlassungen stehen im deutlichen Gegensatz zur Behandlung zweier Beamter in Hampshire und auf der Isle of Wight, die wegen möglichen schweren Fehlverhaltens im Umgang mit dem 18-jährigen Henry Nowak vor dessen Tod im Dezember 2025 untersucht werden. Keiner der beiden Polizisten wurde suspendiert.
Nowak war von Vickrum Digwa tödlich verletzt worden, der der Polizei falschlicherweise erzählt hatte, der Jugendliche habe ihn aus rassistischen Gründen angegriffen. Aufnahmen einer Bodycam zeigten, wie Nowak den Beamten wiederholt mitteilte, er sei erstochen worden und könne nicht atmen. Die Polizisten verhafteten und fesselten ihn jedoch, statt ihm sofort Erste Hilfe zu leisten.
Der IOPC untersucht, ob die Beamten versäumt hatten zu erkennen, dass Nowak dringend medizinische Hilfe benötigte, und ob Rasse oder Religion ihre Behandlung von Nowak und Digwa beeinflusst haben. Die Aufsichtsbehörde betonte, dass die Untersuchung nicht zwangsläufig Disziplinarverfahren nach sich ziehe. Die Aufnahmen hatten öffentliche Empörung ausgelöst und erneut Vorwürfe einer „zweiklassigen“ Polizeiarbeit befeuert.
Das Vertrauen der britischen Öffentlichkeit in die Polizei ist unterdessen deutlich gesunken. Laut dem Veracity Index 2025 des Meinungsforschungsinstituts Ipsos vertrauen nur noch 51 Prozent der Briten der Polizei, die Wahrheit zu sagen – ein Rückgang um elf Prozentpunkte innerhalb eines Jahres und der niedrigste Wert seit Beginn der Erhebung 1983.