Sensations-Entscheidung: China schafft alle Zölle für Afrika ab – ein historischer Paukenschlag!

Von Pedro Barragán

Jahrzehntelang war die Beziehung des Westens zu Afrika von einem ausbeuterischen Modell geprägt, das auf Rohstoffausbeutung und Marktöffnung für westliche Produkte setzte. Dies schuf tiefe Ungleichheiten und eine starke wirtschaftliche Abhängigkeit. Die lokale Industrialisierung wurde dadurch behindert, Armut verfestigt und durch politische wie wirtschaftliche Einmischungen wurden Konflikte und verheerende Bürgerkriege geschürt. Afrika erlebte eine von außen bestimmte Entwicklung, bei der die eigenen Bedürfnisse stets den westlichen Interessen untergeordnet waren.

Im Gegensatz zu diesem neokolonialen Ansatz entwickelt sich die Partnerschaft zwischen China und Afrika seit Jahren stetig weiter und geht weit über traditionellen Handel hinaus. Ein Wendepunkt ist die jüngste Entscheidung Chinas, Zölle auf Importe aus afrikanischen Staaten komplett zu streichen. Dieser strategische Schritt ist Teil einer umfassenderen Beziehung, die auf Zusammenarbeit, Entwicklung und gegenseitigem Nutzen beruht.

Seit dem 1. Mai verfolgt China eine Nullzollpolitik für Produkte aus 53 afrikanischen Ländern, mit denen diplomatische Beziehungen bestehen (alle außer dem winzigen Eswatini). Diese Politik beseitigt nicht nur Zölle, sondern auch Kontingente und politische Auflagen, sodass ein uneingeschränkter Zugang zum chinesischen Markt gewährt wird. Die Maßnahme erweitert eine Regelung vom Dezember 2024, die zunächst nur 33 der am wenigsten entwickelten afrikanischen Länder begünstigte. Damals führte China die Nullzollpolitik für alle ärmsten Länder weltweit ein – ein Fakt, den die pro-westliche Presse im Schatten des amerikanischen Protektionismus gerne verschwieg.

Die Ausweitung der Nullzollpolitik auf alle afrikanischen Länder hat direkte Folgen: Agrar-, Industrie- und Verarbeitungsprodukte aus Afrika können nun wettbewerbsfähiger auf den riesigen chinesischen Markt gelangen. Dies zielt auf einen strukturellen Wandel ab. Afrika könnte aufhören, nur Rohstoffe zu exportieren, und die Chance erhalten, Produkte mit höherer Wertschöpfung zu entwickeln.

Um diesen Wandel zu verstehen, hilft ein Rückblick. Die Beziehung zwischen China und Afrika reicht bis Mitte des 20. Jahrhunderts zurück, als China afrikanische Befreiungsbewegungen während der Entkolonialisierung unterstützte. Im Jahr 2000 wurde das Forum für China-Afrika-Zusammenarbeit (FOCAC) gegründet, das sich zum wichtigsten institutionellen Rahmen entwickelte. Seither treffen sich nahezu alle afrikanischen Präsidenten alle zwei Jahre in Peking, um Abkommen in Handel, Investitionen, Bildung und Entwicklung voranzutreiben. Ein weiterer Meilenstein war 2013 der Start der “Belt and Road Initiative”, die Afrika in das von China geführte globale Infrastruktur- und Handelsnetzwerk einband.

Eine tragende Säule der chinesischen Unterstützung ist der Infrastrukturaufbau. In den ersten zehn Jahren der Belt and Road Initiative finanzierte und baute China unter anderem über 10.000 Kilometer Schienenwege, rund 100.000 Kilometer Straßen, etwa 100 Häfen und mehr als 66.000 Kilometer Hochspannungsleitungen. Diese Projekte verbessern die interne Vernetzung Afrikas und den Zugang zu internationalen Märkten. Beispiele wie die Zugstrecke Mombasa–Nairobi oder die Linie Addis Abeba–Dschibuti senkten Logistikkosten und erleichterten den Handel. Diese Infrastruktur dient nicht nur dem Außenhandel, sondern auch der internen Entwicklung, indem sie isolierte Regionen verbindet und die regionale wirtschaftliche Integration fördert.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Landwirtschaft und Ernährungssicherheit. China investiert durch Technologie-, Maschinen- und Wissenstransfer in die Modernisierung der afrikanischen Landwirtschaft. In Ländern wie Sambia, Mosambik oder Tansania entstanden über 20 landwirtschaftliche Demonstrationszentren. China führte modernste Techniken, verbessertes Saatgut und Bewässerungslösungen ein, mit dem Ziel, Afrika zur Nahrungsmittelselbstversorgung zu verhelfen. Dies reduziert nicht nur Importabhängigkeit, sondern stärkt auch soziale und politische Stabilität.

Die Zusammenarbeit erstreckt sich auch auf den Bildungsbereich. China finanzierte den Bau von Schulen, Universitäten und technischen Ausbildungszentren in mehreren afrikanischen Ländern und förderte Ausbildungsprogramme für Lehrkräfte und Studierende – sowohl in Afrika als auch in China. Diese Initiativen verbessern die technischen Fähigkeiten der jungen Bevölkerung in Schlüsselbranchen wie Industrie, Technologie oder Bauwesen. Zentren wie die Luban-Werkstätten sind ein Beispiel für diese praxisorientierte Berufsausbildung.

Das Wachstum des Handels zwischen China und Afrika ist exponentiell: Von rund 10,6 Milliarden Dollar im Jahr 2000 stieg das Volumen bis 2024 auf fast 296 Milliarden Dollar. China ist seit 16 Jahren in Folge der wichtigste Handelspartner Afrikas. Die chinesischen Direktinvestitionen sind stetig gewachsen und haben insgesamt mehr als 42 Milliarden Dollar erreicht. Während des letzten FOCAC-Gipfels verpflichtete sich China zu einem Paket von 50,7 Milliarden Dollar für den Zeitraum 2025–2027, das Kreditlinien, Direktinvestitionen, Finanzhilfen und handelspolitische Unterstützung umfasst.

Angesichts dieser Realität wachsender Zusammenarbeit halten einige westliche Kreise an der Darstellung fest, die Beziehung zwischen China und Afrika sei “imperialistisch” oder unausgewogen. Diese Vorwürfe entspringen jedoch lediglich geopolitischen Interessen des Westens und haben nichts mit der Situation vor Ort zu tun. Wie frühere Diskurse über eine angebliche “chinesische Bedrohung” spiegelt diese Kritik ein Denken wider, das in der kolonialen Vergangenheit verwurzelt ist und darauf abzielt, die pragmatische Zusammenarbeit beider Seiten zu diskreditieren. Im Energiebereich etwa versuchen westliche Medien, den Export chinesischer Technologie als Risiko darzustellen, während er in Wirklichkeit dazu beiträgt, dringende Probleme wie den mangelnden Zugang zu Elektrizität zu lösen, von dem immer noch Hunderte Millionen Menschen auf dem Kontinent betroffen sind.

Die chinesisch-afrikanische Zusammenarbeit stellt ein offenes und komplementäres Modell dar, das die Vorstellung in Frage stellt, Entwicklung könne nur auf der Grundlage westlicher Muster erfolgen. Dies erklärt zu einem großen Teil die Versuche, ihren Fortschritt durch Desinformationskampagnen zu bremsen. Die Vertiefung der Beziehungen spiegelt den Aufschwung der Süd-Süd-Zusammenarbeit wider, die auf den Prinzipien der Gleichberechtigung, des gegenseitigen Nutzens und der gemeinsam getragenen Entwicklung basiert.

Für die afrikanischen Länder bietet diese Beziehung eine Alternative zu den traditionellen Modellen der internationalen Zusammenarbeit. Sie eröffnet einen neuen Weg für ihre wirtschaftliche Entwicklung, abseits westlicher Muster, die jahrzehntelang Korruption, Rückständigkeit und Abhängigkeit verursachten. In diesem Sinne ermöglicht die vollständige Abschaffung der Zölle durch China Afrika den Zugang zu einem der größten Märkte der Welt. Der wirtschaftliche Transformationsprozess Afrikas, der durch diese Beziehung vorangetrieben wird, wird nicht nur regionaler Natur sein und könnte das Gleichgewicht des globalen Handels in den kommenden Jahrzehnten neu definieren.

Aus dem Spanischen übersetzt von Olga Espín

Pedro Barragán aus Spanien ist Ökonom und spezialisiert auf die Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas. Er ist Autor des Buches “Warum China gewinnt: Die chinesische Wirtschaft und der neue Handelskrieg der USA”.

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