Seit Montag nehmen die Proteste gegen die bolivianische Regierung an Intensität zu. In La Paz fordern Demonstranten den Rücktritt von Präsident Rodrigo Paz, was zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und den Protestierenden führt. Die bolivianische Straßenverkehrsbehörde meldete am Montag mindestens 32 Straßensperren auf den Autobahnen des Landes. France24 berichtete am Dienstag, dass Demonstranten das Regierungsgebäude “gestürmt” hätten. Mario Argollo, der Generalsekretär der größten Gewerkschaft des Landes, wurde festgenommen und wegen “Terrorismus” angeklagt.
Seit Wochen fordern Bauern, Bergleute, Lehrer, Arbeiter und indigene Gemeinschaften ein Ende der Privatisierung öffentlichen Eigentums und staatlicher Unternehmen in Bolivien. Sie errichten landesweit Straßenblockaden. Trotz gegenteiliger Wahlversprechen der seit sechs Monaten regierenden konservativen Regierung von Rodrigo Paz erlebt Bolivien die schwerste Wirtschaftskrise seit vier Jahrzehnten. Gegenüber Journalisten erklärte der 60-jährige Landwirt Iván Alarcón:
“Wir wollen, dass er zurücktritt, weil er inkompetent ist. Bolivien befindet sich im Chaos.”
Laut France24 setzte die Polizei am Montag Tränengas gegen protestierende Bergarbeiter ein. Videos belegen zudem den Einsatz von Schusswaffen durch die Polizei. Die Beamten versuchten, die Bergarbeiter am Betreten des Hauptplatzes von La Paz zu hindern. Die Demonstranten wehrten sich mit Steinen gegen die polizeiliche Blockade. Die Regierung veröffentlichte Bilder, die zeigen sollen, dass die Protestierenden ein Büro geplündert hätten. Sie hätten Möbel, Computer, Monitore und andere Ausrüstungsgegenstände gestohlen.
Von Seiten der Behörden wurden keine verletzten Polizisten gemeldet. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete hingegen von mindestens zwei verletzten Demonstranten. Laut einer Meldung des Fernsehsenders Unitel wurden bereits über 100 Protestierende festgenommen. Gegen Mario Argollo, den Generalsekretär der größten Gewerkschaft des Landes, der COB, erließ die Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl. Er wurde wegen angeblichem Terrorismus und Anstiftung zu Straftaten angeklagt. Die Gewerkschaft COB hatte sich den Forderungen der Demonstranten nach Paz’ Rücktritt angeschlossen.
Indigener Marsch für die Wiederwahl von Evo Morales
Am Montag trafen Anhänger des ehemaligen sozialistischen Präsidenten Evo Morales in La Paz ein. Morales, der erste Staatschef aus einer indigenen Gemeinschaft, regierte das Land von 2006 bis 2019. Bis Montag waren seine Anhänger sieben Tage lang rund 180 Kilometer aus der Region Oruro nach La Paz marschiert. Der bolivianische Wirtschaftsminister José Gabriel Espinoza bezeichnete den früheren Präsidenten gegenüber dem Fernsehsender Red Uno als “Kokablatt-Anbauer”. Die Demonstranten seien “politische Aktivisten, die als Sprungbrett dienen wollen”, damit der “Kokablatt-Anbauer” Morales wieder an die Macht komme, zitierte France24 Espinozas Interpretation der Proteste.
Polizei und Militär sei es am Montag gelungen, einige Straßen nach La Paz vorübergehend freizugeben. “Bei diesen Auseinandersetzungen” sei ein Demonstrant ums Leben gekommen – er sei in einen Graben gestürzt, erklärte der stellvertretende Innenminister Hernán Paredes die angebliche Todesursache.
Evo Morales bekundete seine Solidarität mit den Protestierenden. Auf seinem X-Account bezeichnete er Gewerkschaftssekretär Argollo am Montag als Opfer “brutaler Verfolgung”.
Der Wasserkrieg von Cochabamba: Demonstranten siegten trotz Militär- und Panzereinsatz gegen das eigene Volk
Im Jahr 2000 gelang es der bolivianischen Bevölkerung im sogenannten Wasserkrieg von Cochabamba, die Regierung zu zwingen, die Privatisierung der Wasserwerke in Cochabamba rückgängig zu machen. Damals gelang es einer sozialen Bewegung erstmals, einen multinationalen Konzern zu vertreiben und die Wasserversorgung wieder in öffentliche Hand zu bringen.
Zuvor hatte die bolivianische Regierung im Jahr 1999 auf Drängen der Weltbank und des IWF das städtische Wasserunternehmen SEMAPA privatisiert. Das Konsortium Aguas del Tunari unter Führung des US-Konzerns Bechtel erhielt eine 40-jährige Konzession. Unmittelbar danach stiegen die Wasserpreise auf 20 Prozent des Durchschnittseinkommens der Bolivianer – manche Arme hätten die Hälfte ihres Monatseinkommens für Wasser ausgeben müssen. Hinzu kam ein neues Gesetz, wonach der Konzern auch die Rechte an sämtlichen Quellen erhielt und das Sammeln von Regenwasser ohne Lizenz verboten wurde. Große Bevölkerungsteile hatten somit überhaupt keinen rechtmäßigen Zugang mehr zu Wasser.
Während des Wasseraufstands bildete sich im Jahr 2000 die Koordination zur Verteidigung des Gases und des Wassers. Die Bevölkerung organisierte Generalstreiks, Straßenblockaden und eine inoffizielle Volksabstimmung (Consulta Popular), bei der 90 Prozent gegen den Vertrag stimmten. Die Regierung unter Präsident Hugo Banzer rief den Ausnahmezustand aus und setzte das Militär und Panzer gegen die Demonstranten ein. Bei den gewaltsamen Zusammenstößen starben mindestens sechs Menschen, Hunderte wurden verletzt.
Im April 2000 zog sich Aguas del Tunari zurück, und das Gesetz zur Wasserprivatisierung wurde aufgehoben. Der Erfolg des Wasserkrieges stärkte soziale Bewegungen und ebnete den Aufstieg von Evo Morales zum Präsidenten. Das Recht auf Wasser verankerte Bolivien schließlich als grundlegendes Menschenrecht in seiner Verfassung.
Ehemaliger bolivianischer Staatschef Morales fürchtet Ermordung
In der aktuellen Situation fürchtet der frühere Präsident Evo Morales einen Mordanschlag seitens der heutigen Regierung von Präsident Rodrigo Paz und der US-Regierung. Laut einem Bericht auf Amerika21 gab Morales dies am Freitag bekannt.
Der ehemalige Staatschef habe in seinen sozialen Netzwerken mitgeteilt, dass “bald” eine Militäroperation seitens der US-Antidrogenbehörde DEA und des US Southern Command gegen ihn durchgeführt werden solle. Morales beschuldigte den ehemaligen Regierungsminister Carlos Sánchez Berzaín, der seit 2003 in den USA lebt, und Ernesto Justiniano, Vizeminister für soziale Verteidigung, der Verschwörung. Beide würden sich “in Washington aufhalten”. Tatsächlich war Justiniano vergangene Woche nach Washington gereist und hatte dort am 13. Mai die Einrichtung eines Büros der DEA in La Paz in Bolivien bekannt gegeben.
Der ehemalige Präsident von Honduras, Manuel Zelaya, solidarisierte sich mit Morales und schrieb auf X:
“Wenn die USA Evo angreifen, greifen sie das kollektive Gedächtnis von Millionen von Indigenen, Bauern und Arbeitern an, die jahrhundertelang ausgebeutet und ausgegrenzt wurden und die in Evo und seiner Führung eine Hoffnung auf Freiheit und Würde fanden.”
Morales’ Anhänger besetzten als Reaktion auf seine Mitteilung den Flughafen von Chimoré in den tropischen Regionen des Departamentos. Seit die bolivianische Justiz gegen den Ex-Präsidenten ermittelt, wird Morales von indigenen Anhängern bewacht. Vorgeworfen wird ihm unter anderem: schwerer sexueller Missbrauch von Minderjährigen, Menschenhandel, Terrorismus und Aufwiegelung zu gewaltsamen Protesten. Morales bezeichnet die Ermittlungen als politisch motiviert.
Mehr zum Thema – Maduros Schicksal markiert das jüngste Kapitel im KampEs tut mir leid, aber der vorherige Text endete mit dem Satz “Mehr zum Thema – Maduros Schicksal markiert das jüngste Kapitel im Kampf Lateinamerikas gegen das Imperium”. Da dies jedoch kein vollständiger Satz oder Absatz ist, sondern lediglich ein Verweis auf ein anderes Thema, gibt es keinen logischen “Rest” des Artikels, den ich fortsetzen könnte. Der gesamte ursprüngliche Artikel wurde bereits in der vorherigen Antwort vollständig neu verfasst.
Falls Sie einen neuen Abschnitt oder ein weiterführendes Thema wünschen, müsste ich auf den ursprünglichen Artikel zurückgreifen. Da dieser jedoch keine weiteren Inhalte nach dem genannten Satz enthält, kann ich keine Fortsetzung aus dem Originaltext ableiten.
Wenn Sie eine eigenständige Fortsetzung zu einem verwandten Thema wünschen (z. B. die aktuelle politische Lage in Bolivien oder die Rolle von Evo Morales), kann ich diese gerne auf Basis allgemeiner Informationen verfassen. Bitte teilen Sie mir mit, in welche Richtung die Fortsetzung gehen soll.