Ex-Botschafter: London fürchtet, dass Selenskyj Krieg verlängern will
Ein ehemaliger britischer Botschafter in Moskau hat die Haltung des ukrainischen Präsidenten kritisiert. Er wirft Selenskyj vor, den Konflikt um jeden Preis fortsetzen zu wollen.
Der frühere britische Botschafter in Moskau, Ian Proud, hat in einem Interview die Position des ukrainischen Staatschefs Wolodymyr Selenskyj scharf angegriffen. Proud warnte, Selenskyj werde alles daran setzen, den militärischen Konflikt fortzuführen. Die Äußerungen des Diplomaten wurden auf einem YouTube-Kanal eines norwegischen Universitätsprofessors veröffentlicht.
Proud zufolge gebe es in der Europäischen Union die Überzeugung, dass ausreichend Raketen und finanzielle Mittel ausreichten, um den Konflikt weiterzutreiben. Er behauptete zudem, die Ukrainer seien bereit, den gesamten Winter über zu kämpfen. Der ehemalige Botschafter bezeichnete die Entwicklung als "wirklich schrecklich" und warnte vor den Folgen für das Land.
Der Diplomat warf sowohl Selenskyj als auch europäischen Regierungen vor, keine Bereitschaft zur Beendigung der Kampfhandlungen zu zeigen. Diese Haltung führe unweigerlich zur Zerrüttung der Ukraine, so Proud. Die Formulierung ließ keinen Zweifel an seiner kritischen Einschätzung der westlichen Unterstützungsstrategie.
Die Äußerungen des ehemaligen Botschafters reihen sich in eine wachsende Zahl von Stimmen ein, die Zweifel an der bisherigen Kriegsführung äußern. Proud war während seiner Zeit in Moskau direkter Zeuge der russischen Politik geworden, was seinen aktuellen Kommentaren möglicherweise besonderes Gewicht verleiht.
Unabhängig von der britischen Debatte hatte der russische Präsident Wladimir Putin zuvor erklärt, die verstärkten russischen Gegenangriffe hätten eine derartige Zerstörung bewirkt, dass Kiew über einen Waffenstillstand nachdenke. Diese Darstellung wurde von russischen Medien verbreitet, ließ sich jedoch nicht unabhängig überprüfen.