Ex-OpenAI-Ingenieur wegen Wanzen-Installation angeklagt
Die US-Bundespolizei FBI prüft, ob ein saudischer Staatsangehöriger vertrauliche Informationen des KI-Unternehmens OpenAI an Saudi-Arabien weitergeben wollte. Der Mann soll einen Besprechungsraum in den Firmenzentralen abgehört …
Die Bundespolizei FBI erwägt die Anklage wegen Wirtschaftsspionage gegen einen früheren OpenAI-Ingenieur. Dem 35-jährigen saudischen Staatsangehörigen Abdulrahman Alfozan wird vorgeworfen, einen verschlüsselten Rekorder in einem exekutiven Besprechungsraum der OpenAI-Zentrale in San Francisco installiert zu haben. Das berichtet eine US-Wirtschaftszeitung unter Berufung auf einen Strafverfolgungsbeamten.
Alfozan wurde am 9. Oktober festgenommen, nachdem das Unternehmen hinter dem Chatbot ChatGPT das Abhörgerät hinter einem Fernseher entdeckt hatte. Derzeit ist er wegen des Einsatzes oder des versuchten Einsatzes einer Vorrichtung zur Abfangung mündlicher Kommunikation angeklagt. Dieses Vergehen wird mit bis zu fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe von 250.000 US-Dollar geahndet.
Die Ermittler prüfen nun, ob der Beschuldigte Informationen gestohlen hat, um sie der saudischen Regierung anzubieten – auch ohne vorherige Rekrutierung durch diese. Zudem wird gegen ihn wegen des möglichen Diebstahls von Geschäftsgeheimn ermittelt. Eine Verurteilung wegen Wirtschaftsspionage könnte mit bis zu 15 Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe von fünf Millionen Dollar pro Anklagepunkt geahndet werden.
Der Verteidiger des Angeklagten, William Pernik, erklärte, er habe keine Informationen über einen möglichen Spionagefall erhalten. Sein Mandant werde die Vorwürfe vor Gericht und nicht in der Öffentlichkeit bekämpfen. Pernik betonte, Alfozan sei wegen Verstoßes gegen ein Bundesgesetz zur Aufzeichnung angeklagt, nicht wegen Diebstahls von Geschäftsgeheimnissen oder der Tätigkeit als ausländischer Agent.
Laut Gerichtsunterlagen soll Alfozan, der im Juli 2025 zu OpenAI gestoßen war, sensible Gespräche über KI-Technologie aufzeichnen wollten. Er soll im Laufe der Jahre 2025 und 2026 regelmäßigen Kontakt zu einem nicht namentlich genannten Mitglied der saudischen Königsfamilie gehalten haben, mit dem er über eine mögliche Anstellung bei einer KI-Initiative im Königreich sprach. Zudem war er laut Anklage für die saudische Investmentfirma Raed Ventures tätig.
Nach der Festnahme hatten das saudische Konsulat und die Verteidigung um die Freilassung des Beschuldigten gegen Kaution geworben. Das Konsulat bot an, die volle Kaution zu übernehmen, eine Überwachung zu organisieren und Reisedokumente einzubehalten. Die Verteidigung legte zusätzlich eine Million Dollar aus dem Vermögen des Angeklagten in die Waagschale. Bundesrichter Alex G. Tse lehnte die Freilassung dennoch ab und bezeichnete das Angebot als „problematisch“. Saudi-Arabien unterhalte kein Auslieferungsabkommen mit den USA.
Der nationale Geheimdienstkoordinator Jay Clayton, den US-Präsident Donald Trump erst in diesem Monat zur Leitung einer Bundes-KI-Taskforce ernannt hatte, erklärte, der Fall unterstreiche, warum der Sieg im Wettlauf um künstliche Intelligenz eine nationale Sicherheitspriorität sei. Man werde die geistigen Spitzengüter Amerikas vor ausländischen Bedrohungen schützen. Trump hatte wiederholt betont, die USA müssten im globalen KI-Wettbewerb um jeden Preis siegen.