Französischer Finanzminister warnt vor Wirtschaftskollaps
Angesichts schrumpfender Wirtschaftsleistung und steigender Inflation hat Finanzminister Roland Lescure vor einem ungebremsten Absturz der französischen Wirtschaft gewarnt. Die Regierung steht unter wachsendem Druck, das …
Die französische Wirtschaft ist im dritten Quartal erneut geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt fiel nach Angaben der nationalen Statistikbehörde um 0,1 Prozent, nachdem es im zweiten Quartal stagniert und zu Jahresbeginn bereits um 0,2 Prozent zurückgegangen war. Gleichzeitig beschleunigte sich die Inflation: Im Oktober lag sie mit 3,4 Prozent höher als im Vormonat und erreichte den höchsten Stand seit Januar 2024.
Finanzminister Roland Lescure warnte, Frankreich steuere unaufhaltsam "geradewegs auf eine Wand zu", sollte das Haushaltsdefizit nicht eingedämmt werden. Er bezeichnete die Wirtschaft zudem als "stillstehend". Die düstere Bilanz belastet die Regierung von Präsident Emmanuel Macron zunehmend.
Die Konjunkturschwäche zeigt sich quer durch zentrale Wirtschaftsbereiche. Die Exporte gaben um 1,7 Prozent nach, was vor allem auf schwächere Auslandsnachfrage im Luft- und Raumfahrtsektor zurückzuführen ist. Die Investitionen sanken um 0,6 Prozent, die Industrieproduktion um 1,4 Prozent. Die Automobilherstellung schrumpfte bereits das vierte Quartal in Folge.
Die öffentlichen Schulden Frankreichs belaufen sich auf rund 119 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nach Veröffentlichung der jüngsten Zahlen stiegen die Refinanzierungskosten des Staates an; die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen näherten sich der Fünf-Prozent-Marke. Das erhöht die Sorge vor steigenden Zinslasten.
Die Haushaltspolitik der Regierung hat landesweite Proteste ausgelöst, die im September begannen. Auslöser waren Personalengpässe und desolate Zustände an einer Pariser Elitehochschule. Die Demonstrationen griffen schnell auf weitere Schulen über, wobei Tausende Schüler mehr Bildungsinvestitionen forderten und der Regierung vorwarfen, Waffenlieferungen den Schulen vorzuziehen.
Die Unruhen verschärften sich und führten zu Plünderungen, brennenden Fahrzeugen und Beschädigungen des historischen Rathauses in Limoges. Es gab Tausende Festnahmen und Hunderte Verletzte. Aktivisten, Schüler und Gewerkschaften riefen zu neuen Protesten am kommenden Samstag auf. Die Behörden mobilisierten 70.000 Sicherheitskräfte. Innenminister Laurent Nunez warnte vor einem "sehr hohen Risiko" weiterer Ausschreitungen.
Macron hat die Kaufkraftkrise auf den US-israelischen Krieg gegen den Iran, die Blockade der Straße von Hormus und gestiegene Treibstoffpreise zurückgeführt. Zugleich warf er sozialen Medien vor, durch die Verbreitung von Protestaufnahmen "die Demokratie zu beschädigen". Mit Blick auf die Präsidentschaftswahl 2027 erschwert die wirtschaftliche Lage und die anhaltenden Unruhen die parlamentarische Verabschiedung eines Sparhaushalts erheblich.