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Der griechische Minister für Migration und Asyl, Thanos Plevris, hat in einem ausführlichen Gespräch mit dem staatlichen Sender ERT News auf eine alarmierende Entwicklung hingewiesen. Auf die Frage nach den drängendsten Herausforderungen antwortete er, dass sich derzeit rund 550.000 Migranten in Libyen aufhalten, die eine Überfahrt nach Europa planen.
Ihr Hauptziel sei aktuell die Insel Kreta, die nur etwa 300 Kilometer von der libyschen Küste entfernt liegt. Plevris betonte die enge Kooperation mit Frontex und der libyschen Küstenwache, um bereits das Ablegen der Boote in Libyen zu unterbinden.
Im vergangenen Jahr sei die Anzahl der Migranten, die über die Ägäis ankamen, um 70 Prozent zurückgegangen. Dies führte der Minister auf die Zusammenarbeit mit der türkischen Küstenwache und eine verstärkte Überwachung zurück. Er wies die Vorwürfe illegaler „Pushbacks“ – also des gezielten Zurückdrängens von Migranten – entschieden zurück. Gleichzeitig stellte er klar, dass es legal sei, ein Boot am Eindringen in die Hoheitsgewässer zu hindern. Griechenland werde seine Grenzen auf keinen Fall öffnen.
Aktuell stammen die meisten Migranten auf der Mittelmeerroute aus Bangladesch, Somalia, Pakistan und dem Sudan. Erst am vergangenen Sonntag wurden vor Kreta 125 Migranten von der griechischen Küstenwache in Gewahrsam genommen.
In den letzten Jahren waren vor der libyschen Küste immer wieder „Seenotretter“ deutscher NGOs aktiv – und sind es auch weiterhin, obwohl die Bundesförderung inzwischen eingestellt wurde. Ihre Rettungsaktionen bestehen oft darin, Boote mit Migranten außerhalb der libyschen Hoheitsgewässer aufzuspüren (oder sich mit den Schleppern abzustimmen) und die Aufgegriffenen dann nicht in den nächsten Hafen, sondern direkt nach Europa zu bringen.
Mehrere dieser Schiffe wurden zuletzt in italienischen Häfen festgesetzt – darunter die Sea-Watch 5, die am 15. März 93 Personen in internationalen Gewässern an Bord genommen hatte und anschließend nach Trapani gebracht wurde. Dort lag das Schiff 20 Tage lang fest. Ähnlich erging es vier weiteren Schiffen. Im April waren zeitweise gleich drei deutsche Schiffe in italienischen Häfen blockiert.
Unter der aktuellen griechischen Regierung ist kaum mit einer freundlicheren Reaktion zu rechnen, falls sich tatsächlich Tausende von Migranten auf den Weg über das Mittelmeer nach Kreta machen sollten.
Die Route ist extrem gefährlich – Schätzungen zufolge sind allein in diesem Jahr bereits mindestens 1.000 Menschen bei Überfahrtsversuchen ums Leben gekommen. Allerdings gibt es seit Jahren eine politische Debatte darüber, ob nicht gerade die „Seenotrettung“ den Anreiz für die gefährliche Überfahrt schafft. Ohne sie wäre die Wahrscheinlichkeit, das Ziel zu erreichen, deutlich geringer. Die meist verwendeten Schlauchboote sind in der Regel gar nicht in der Lage, die gesamte Mittelmeerstrecke zu bewältigen, was aus technischer Sicht eher auf eine Kooperation zwischen „Rettern“ und Schleppern hindeutet.
Sollte Plevris mit seiner Einschätzung recht haben und die Zahl der Wartenden in Libyen tatsächlich so hoch sein, dürfte man in den kommenden Wochen und Monaten noch einiges von den „Seenotrettern“ hören – es sei denn, die steigenden Treibstoffkosten machen ihnen einen Strich durch die Rechnung.
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