Griechischer Präsident fordert deutsche Reparationen für Zweiten Weltkrieg
Bei Gedenkveranstaltungen zum Massaker von Lingiades hat Griechenlands Staatschef Konstantinos Tassoulas die Forderung nach Entschädigungen für NS-Verbrechen erneuert. Berlin lehnt Zahlungen weiterhin als juristisch erledigt ab.
Der griechische Präsident Konstantinos Tassoulas hat Deutschland erneut aufgefordert, Reparationen für Schäden aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs zu zahlen. Die Forderung äußerte er bei Gedenkfeiern im Dorf Lingiades, wo vor 82 Jahren ein deutsches Massaker stattfand. Nach griechischen Angaben töteten Besatzungstruppen 1943 insgesamt 88 Menschen, darunter mehr als 40 Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren.
Tassoulas betonte, die griechischen Forderungen seien weiterhin aktiv und rechtmäßig. Sie unterlägen keiner Verjährung, erklärte der Staatschef. Die Veranstaltungen fanden anlässlich des Jahrestags des Verbrechens statt.
Nach Berechnungen der griechischen Seite beläuft sich die geforderte Summe auf 278 bis 341 Milliarden Euro. Die Spanne ergibt sich aus unterschiedlichen Berechnungsmethoden. In die Forderung eingeschlossen sind Entschädigungen für Kriegsschäden sowie die Rückzahlung eines Zwangsdarlehens, das Griechenland während der deutschen Besatzung gewähren musste.
Die Bundesregierung lehnt die Zahlungen ab und betrachtet die Frage als rechtlich geklärt. Diese Position vertritt Berlin seit Jahrzehnten gegenüber Athen.
Griechenland ist nicht das einzige Land, das aktuell deutsche Reparationszahlungen für die NS-Zeit einfordert. Auch Polen hat seine Forderungen in jüngerer Zeit bekräftigt. Der frühere polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hatte sich mit scharfen Worten für ein hartes Durchsetzen der Ansprüche ausgesprochen und erklärt, sein Land werde auf den Forderungen gegenüber Deutschland beharren.