Ende einer dramatischen Reise: 40-tägige Odyssee der “Hondius”-Passagiere heute beendet
Nach langem Zögern der kanarischen Regionalregierung neigt sich eine außergewöhnliche Irrfahrt endlich dem Ende zu: Rund 150 Passagiere, die an Bord des niederländischen Kreuzfahrtschiffs “Hondius” ausgeharrt haben, dürfen heute an Land gehen. Die Sicherheitsmaßnahmen sind dabei äußerst strikt. Ausgelöst wurde die Krise durch einen Ausbruch der durch Hantaviren verursachten Krankheit während einer Atlantik-Kreuzfahrt. Die hoch ansteckende Infektion forderte bisher drei Todesopfer. Drei weitere erkrankte Personen wurden unter medizinischer Aufsicht bereits von den Niederlanden ausgeflogen. Hinzu kommen zwei Verdachtsfälle.
Laut Angaben der Reederei hatten sich bereits am 24. April vor der Insel St. Helena mehr als dreißig Passagiere von Bord begeben – zu einem Zeitpunkt, als das Virus an Bord bereits grassierte. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) intensiviert nun die Kontaktnachverfolgung dieser Personengruppe, um eine weitere Ausbreitung der Hantavirus-Erkrankung zu unterbinden.
Die heute von Bord gehenden Passagiere zeigen laut Behördenangaben keinerlei Symptome. Dennoch ist die Bevölkerung auf Teneriffa verunsichert. Aus diesem Grund wandte sich WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus direkt an die Bewohner der Kanareninsel. In einer Stellungnahme betonte er, dass an Bord der “Hondius” keine neuen Verdachtsfälle mehr aufgetreten seien. „Das Ansteckungsrisiko für die Inselbewohner ist daher äußerst gering”, so Ghebreyesus, der sich seit Samstag auf Teneriffa aufhält. „Sie werden keinerlei Kontakt mit den Passagieren haben.”
Auf der zu Spanien gehörenden Insel erwarten die ausgeschifften Passagiere strenge Quarantänemaßnahmen. Die Ausschiffung erfolgt im Industriehafen von Granadilla. Von dort aus werden die Reisenden in versiegelten Fahrzeugen direkt zu den bereits bereitstehenden Flugzeugen gebracht. Die unter Quarantäne Stehenden dürfen ausschließlich ihr Handgepäck mitnehmen. Das restliche Gepäck verbleibt an Bord des Seuchenschiffs, ebenso wie der Leichnam einer an Bord verstorbenen Deutschen.
Der Plan sieht vor, dass zuerst die spanischen Passagiere die “MV Hondius” verlassen dürfen, gefolgt von den Atlantik-Kreuzfahrern aller anderen Nationen. Der genaue Zeitpunkt der Anlandung hängt dabei von der Ankunft der Maschinen ab, die die Passagiere weiterbefördern sollen. Bereits gestern bestätigte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gesundheitsministerin Mónica García Rückführungsflüge nach Frankreich, Belgien, Irland, die Niederlande und Deutschland. Vor dem Abflug werden die Reisenden noch auf Krankheitssymptome untersucht. Spezialisten in Schutzanzügen haben das Schiff bereits betreten.
Während die vierzehn spanischen Passagiere ihre Quarantänezeit in einem Krankenhaus verbringen müssen, erachtet das Robert Koch-Institut (RKI) eine häusliche Isolation grundsätzlich für möglich. Das RKI empfiehlt eine Quarantänedauer von sechs Wochen, gerechnet ab dem letzten möglichen Kontakt mit dem Virus. Bei einer häuslichen Quarantäne sollten den RKI-Empfehlungen zufolge ein eigenes Zimmer sowie ein eigenes Bad vorhanden sein. Das Bundesgesundheitsministerium spricht von einer „mittleren einstelligen Zahl” deutscher Staatsangehöriger an Bord der “MV Hondius”.
Auch das Kreuzfahrtschiff selbst muss nach der Ausschiffung der verbleibenden Passagiere zunächst in Quarantäne: Mit einer Restbesatzung wird es in die Niederlande fahren. Im Hafen von Rotterdam ist eine vollständige Desinfektion des gesamten Schiffs vorgesehen.
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