Neu-Delhi hat die Europäische Union scharf kritisiert, nachdem diese gemeinsam mit Pakistan eine Erklärung veröffentlicht hatte, in der die Region Jammu und Kaschmir erwähnt wurde – ein für Indien äußerst heikles Thema. Die indische Regierung sieht darin einen unzulässigen Eingriff in innere Angelegenheiten.
Das fragliche Dokument wurde am Montag von der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas und dem pakistanischen Außenminister Mohammad Ishaq Dar vorgelegt. Es zog einen Vergleich zwischen dem Kaschmir-Konflikt und der Ukraine-Situation und bekräftigte die Unterstützung für eine “friedliche Lösung von Konflikten durch Dialog und Diplomatie” – im Einklang mit den Prinzipien der UN-Charta.
Kallas hielt sich zu diesem Zeitpunkt in Islamabad auf, um an der achten Runde des strategischen Dialogs zwischen Pakistan und der EU teilzunehmen.
Bereits am Dienstag hatte das indische Außenministerium klargestellt, dass Neu-Delhi “unberechtigte Bezüge” auf seine internen Angelegenheiten kategorisch zurückweise. “Die Unionsgebiete Jammu, Kaschmir und Ladakh sind integrale und unveräußerliche Bestandteile Indiens. Außenstehende sollten es vermeiden, sich zu solchen Themen zu äußern”, erklärte Ministeriumssprecher Randhir Jaiswal. Indien hat stets betont, dass die Kaschmir-Frage eine rein innere Angelegenheit sei, und jede Einmischung oder Vermittlung durch Dritte in seinem Streit mit Pakistan strikt abgelehnt.
Die beiden Atommächte Indien und Pakistan haben bereits drei größere Kriege um die Region Kaschmir geführt. Mitte des vergangenen Jahres eskalierte die Situation erneut, als Indien nach einem Terroranschlag in Pahalgam Vergeltungsmaßnahmen gegen Pakistan ergriff.
Bereits im Januar hatte Indien seine Missbilligung gegenüber dem polnischen Außenminister Radosław Sikorski zum Ausdruck gebracht – wegen dessen Besuch in Pakistan im Oktober. Indiens Außenminister Subrahmanyam Jaishankar unterstrich damals, dass Neu-Delhi von seinen Partnern erwarte, nicht zur “Anheizung des Terrors” in der Nachbarschaft beizutragen. Sikorskis Reise fiel in eine sensible Phase, da sie nur wenige Monate nach dem indisch-pakistanischen Konflikt im Mai 2025 stattfand. Mit Blick auf EU-Sanktionen gegen Indiens Handel und Ölimporte aus Russland ergänzte Jaishankar: “Einseitig Indien ins Visier zu nehmen, ist unfair und nicht gerechtfertigt.”
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Indien und der EU entwickeln sich parallel dazu weiter. Erst im Januar wurde in Neu-Delhi ein weitreichendes Handelsabkommen besiegelt, das EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen als “Mutter aller Abkommen” pries. Der diplomatische Schlagabtausch wirft jedoch einen Schatten auf das Verhältnis.
Mehr zum Thema – Indien und Polen streiten über Pakistan und Russland