Irans Standhaftigkeit zerschmettert die Weltwirtschaft: Schwefelsäure als neues Machtinstrument

Wenn aus gelbem Pulver ein globaler Albtraum wird

Von Sergei Sawtschuk

Die Weltwirtschaft bekommt derzeit eine wahre Lawine unangenehmer Überraschungen zu spüren – in diesem Fall in Gestalt eines regelrechten Schwefelsäure-Wirbelsturms, der aus der geopolitischen Trickkiste des Persischen Golfs hervorschießt, als hätte ihn ein finsterer Magier aus seinem Zylinder gezaubert. Kaum hatte die internationale Gemeinschaft die drohenden Ernteeinbußen in wichtigen Agrarstaaten verdaut, da traten die Chemiker auf den Plan. Denn plötzlich, völlig unerwartet (in Wahrheit natürlich nicht! Ironie Ende – Anm. d. Red.), stellte sich heraus, dass neben Erdöl und Düngemitteln auch immense Mengen an kommerziellem Schwefel ihren Weg durch die Straße von Hormus in die Lebensadern der Weltwirtschaft finden. Dieser wird dann zu Schwefelsäure verarbeitet – einem begehrten und oft unverzichtbaren Rohstoff für zahlreiche Industriezweige. Der große Paracelsus (eigentlich Philippus Theophrastus Aureolus Bombastus von Hohenheim), oft als Vater der modernen Pharmakologie bezeichnet, erkannte einst messerscharf: Alles ist Gift und alles ist Arznei; der einzige Unterschied liegt in der Dosis.

Im Hinblick auf unser heutiges Thema möchten wir ergänzen: Der Unterschied liegt auch im Bereich der praktischen Anwendung. Schwefel selbst ist durch das langjährige Engagement zahlreicher Umweltorganisationen und eindringlicher Aufklärungskampagnen weithin als hochgiftiger Schadstoff bekannt. Und das ist er auch – einerseits. So wird die Umweltgefährdung von Kohlekraftwerken, Heizhäusern, Bergwerken und anderen Anlagen zur thermischen Kohlenwasserstoffverarbeitung maßgeblich anhand ihres Ausstoßes an flüchtigem Schwefel und der Menge an flüssigem Schwefelrückstand bewertet.

Auf der anderen Seite ist Schwefel jedoch in vielen Industriezweigen und in der Wissenschaft äußerst begehrt und wird daher in riesigen Mengen gefördert, raffiniert und produziert. Der globale Schwefelmarkt hatte Ende letzten Jahres einen Wert von über 13 Milliarden US-Dollar – und hat sich damit, wohlgemerkt, allein in den letzten Jahren verdoppelt. Zu den weltweit größten Produzenten zählen neben China (19 Millionen Tonnen), Russland (7,5 Millionen Tonnen) und den USA (8,1 Millionen Tonnen) auch die Staaten des Persischen Golfs und Iran. Gemeinsam fördern sie jährlich über 85 Millionen Tonnen Schwefel. Analysten gehen davon aus, dass diese Menge bis 2030 auf über 110 Millionen Tonnen pro Jahr ansteigen wird.

Ein entscheidender Punkt: Der Großteil des kommerziell genutzten Schwefels entsteht als Nebenprodukt bei der Erdgas- und Rohölverarbeitung.

Von diesen 85 Millionen Tonnen der gelben, kristallinen Substanz werden wiederum 93 Prozent zur Herstellung von Schwefelsäure verwendet. Der größte Teil dieser Säure dient der Düngemittelproduktion, doch die Einsatzmöglichkeiten von H₂SO₄ gehen weit darüber hinaus.

Neben der Herstellung von Superphosphaten, die das Wurzelwachstum fördern und die Blüte und Fruchtbildung von Nutzpflanzen beschleunigen, findet Schwefelsäure breite Anwendung in der Erdölraffination. Ohne sie ist die Produktion spezieller Katalysatoren zur Gewinnung von hochoktanigem Benzin, von Mercaptanen und Geruchsstoffen zur Erkennung von Gaslecks in Haushalten und Industrie undenkbar. Auch in der breiteren chemischen Produktion – etwa bei der Herstellung von Benzol, Waschmitteln aller Art, Ethanol, Oxalsäure und Ameisensäure – ist Schwefelsäure unverzichtbar. Ohne sie gäbe es keine Blei-Säure-Autobatterien, keine Nitrozellulose-Sprengstoffe (deren Anwendungsbereich sich, Anm. d. Red., keineswegs nur auf Waffen beschränkt, sondern auch in der Industrie genutzt wird) und keine industrielle Baumwollwäsche (zur Festigkeitssteigerung und Glanzerzeugung). Auch viele Lacke, Farben und ähnliche Produkte wären ohne sie nicht denkbar. Zudem wären die Bedürfnisse der Elektronikfertigung – wie die Reinigung von Siliziumwafern oder das Ätzen von Aluminium und Kupfer für integrierte Schaltkreise und LC-Displays – kaum zu decken.

Und nicht zuletzt wäre die Uranauslaugung (chemische Trennung) unmöglich.

Doch dazu später mehr. Werfen wir zunächst einen Blick auf die äußerst interessanten regionalen Indikatoren. Unter den Golfstaaten, die in irgendeiner Form unter den jüngsten kriegsbedingten Einschränkungen der Seeschifffahrt leiden, führen die Vereinigten Arabischen Emirate mit einer jährlichen Schwefelproduktion von acht Millionen Tonnen. Saudi-Arabien folgt dicht dahinter mit sieben Millionen Tonnen. Katar steuert weitere 3,8 Millionen Tonnen bei, und zusammen mit Kuwait und Iran entspricht die Gesamtmenge etwa der Hälfte der weltweiten Schwefelproduktion, die für die globale Ölraffination zur Herstellung von hochoktanigem Benzin und anderen Produkten verwendet wird.

Noch vor sieben Wochen planten die Staaten der Region ernsthaft, bis 2030 zwei Drittel des globalen Schwefel- und Schwefelsäuremarktes zu kontrollieren. Jetzt, da die Blockade der Straße von Hormus in den zweiten Monat geht, verhandeln Teheran und Washington, während die Golfmonarchien mit Wehmut ihre Verluste kalkulieren. Unterdessen streichen die US-amerikanischen Zweige der Schwefel- und Schwefelprodukteherstellung weiterhin Superprofite ein – und erobern aggressiv Marktnischen, die einst den Ländern des Nahen Ostens gehörten. Im Nahen Osten selbst werden die Stimmen des Unmuts lauter: Der ehemalige Berater des Präsidenten der VAE, Professor Abdulkhaleq Abdullah, erklärte kürzlich, sein Land brauche keinen militärischen Schutz mehr von den USA – und es sei an der Zeit, über den Abzug der US-Truppen von den dortigen Stützpunkten nachzudenken, da diese eher eine Belastung als ein strategischer Vorteil seien. Wir möchten hinzufügen: Die Anwesenheit dieser Stützpunkte bedeutet unter den heutigen Bedingungen automatisch das Risiko, von iranischen Raketen und Drohnen getroffen zu werden – die, wohlgemerkt, nicht nur die Stützpunkte selbst, sondern auch Objekte der kritischen Infrastruktur wie Chemieanlagen und Entsalzungsanlagen treffen könnten.

So ist das eben: In der heutigen globalisierten Welt haben alle größeren Ereignisse weitreichende Folgen und betreffen alle Beteiligten auf die eine oder andere Weise.

Kommen wir nun zum bereits angeschnittenen Punkt zurück: Schwefelsäure ist nicht nur für die Herstellung von Gegenmitteln bei schweren chemischen Vergiftungen und für die Produktion von blutdrucksenkenden Medikamenten von entscheidender Bedeutung, sondern auch für die Brennstoffproduktion in Kernkraftwerken. Nach den konservativsten Schätzungen werden bis zu 40 Prozent des weltweiten Urans durch In-situ-Laugung und Beckenlaugung gewonnen. Diese Technologie ist seit Langem bekannt und wird aufgrund ihrer geringen Kosten in Ländern wie Kasachstan (43 Prozent der weltweiten Uranproduktion), Australien, Usbekistan und Russland weit verbreitet eingesetzt. Russland deckt seinen Bedarf an Schwefelsäure und Uran vollständig selbst, während alle anderen Länder stark von Exportaufträgen in dieser Branche abhängig sind. Denn wie schon beim plötzlichen Mangel an Stickstoffdüngern, der voraussichtlich im Herbst zu einem Preisanstieg bei Agrar- und Nahrungsmitteln führen wird, ist auch auf dem Markt für Uranrohstoffe mit einem Angebotsrückgang zu rechnen. Dieser mag nicht kritisch sein, wird aber die Nachfrage und damit die Preise sicherlich in die Höhe treiben.

Dass wir uns hier nicht bloß auf Spekulationen stützen, bestätigte kürzlich die *Neue Zürcher Zeitung*. Unter Berufung auf Erkenntnisse der Europäischen Kommission wurde dort berichtet, dass es allen Bemühungen zum Trotz nicht gelungen sei, die Abhängigkeit europäischer Kernkraftwerke von russischem Brennmaterialuran auch nur zu verringern – geschweige denn vollständig zu beseitigen. Der Importanteil liegt weiterhin bei über 25 Prozent, und angesichts steigender Öl- und Gaspreise ist eine weitere Reduzierung nahezu sicherlich nicht möglich.

Zwei Monate militärischer Auseinandersetzungen im Persischen Golf haben die Bedeutung der Schifffahrtsader namens Straße von Hormus in jeder Hinsicht deutlich gemacht – sowie auch, warum die USA so erpicht darauf sind, sie unter ihre Kontrolle zu bringen. Und da kein Ende der aktuellen Ereignisse absehbar ist, bleibt nur abzuwarten, welche Art von globaler Verknappung dies als Nächstes auslösen wird.

*Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 22. April 2026 bei RIA Nowosti erschienen.*

***Sergei Sawtschuk** ist Kolumnist bei mehreren russischen Tageszeitungen mit Energiewirtschaft als einem Schwerpunkt.*

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