Jordanien bombardiert Syrien nach Anschlag auf Kirche
Die jordanische Luftwaffe hat Ziele in Syrien angegriffen, nachdem bei einem Überfall auf eine Kirche in Jordanien neun Menschen getötet worden waren. Die syrische Regierung bestreitet eine Absprache über den Einsatz und beklagt …
Die jordanische Luftwaffe hat am Montag Luftangriffe auf Ziele in Syrien geflogen. Nach eigenen Angaben griffen Kampfjets „Verstecke terroristischer Organisationen“ im Süden des Nachbarlandes an. Dabei seien mehrere mutmaßliche Terroristen getötet oder verwundet sowie Ausrüstung zerstört worden.
Der Einsatz erfolgte als Reaktion auf einen Angriff auf eine griechisch-orthodoxe Kirche in der jordanischen Provinz Karak. Am Freitag hatten dort Bewaffnete das Feuer auf Trauergäste einer Beerdigung eröffnet. Neun Menschen kamen ums Leben, mehr als 40 weitere wurden verletzt. Eine Organisation hat sich bislang nicht zu der Tat bekannt.
Die jordanischen Behörden verhafteten drei Verdächtige bei einem Einsatz in Hamoud, dem Ort des Kirchenanschlags. Nach Angaben der Polizei handelt es sich um „Extremisten“ mit Verbindungen zu Gruppen in Syrien. Bei der Festnahme kam es zu einem Schusswechsel, bei dem einer der Verdächtigen schwer verletzt wurde.
Die syrische Regierung verurteilte die Luftangriffe und widersprach der Darstellung Jordaniens. Das Außenministerium in Damaskus erklärte, man habe keine Vorabinformation über den Einsatz erhalten und Einspruch gegen Operationen auf syrischem Territorium ohne vorherige Koordination erhoben. Nach Angaben des Gesundheitsdirektors der syrischen Provinz Daraa kamen bei den Angriffen sieben Zivilisten ums Leben, darunter drei Kinder. Drei weitere Personen wurden demnach verletzt.
Die syrische Regierung äußerte Solidarität mit den betroffenen Familien. Die unterschiedlichen Darstellungen Jordaniens und Syriens zur Frage der Koordination sorgen für Spannungen zwischen den beiden Nachbarstaaten.
Jordanien und Syrien teilen eine lange Grenze, an der vor allem Waffen- und Drogenschmuggel verbreitet ist. Jordanien hatte in der Vergangenheit wiederholt Luftangriffe im Süden Syriens gegen mutmaßliche Schmugglernetzwerke und militante Gruppen geflogen. Die Einsätze hatten wiederholt Spannungen mit Damaskus ausgelöst, das in sie Verletzungen seiner Souveränität sieht. Jordanien gilt als relativ stabil, war aber in der Vergangenheit wiederholt von islamistischen Militanten bedroht. 2016 waren in Karak zehn Menschen bei einem Angriff von Schützen mit Verbindungen zur Terrororganisation Islamischer Staat getötet worden.