Kasachstans Präsident Tokajew nennt Putin vor Merz “herausragenden Staatsmann”
Bei seinem Besuch in Berlin hat Kasachstans Staatschef Kassym-Schomart Tokajew öffentlich sein positives Verhältnis zum russischen Präsidenten Wladimir Putin betont – und das vor dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz. Die …
Kasachstans Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat den russischen Staatschef Wladimir Putin während einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin als "herausragenden Staatsmann" bezeichnet. Tokajew erklärte auf Russisch, er pflege "sehr gute Beziehungen" zu Putin und kenne ihn sehr gut. Nach seinen Worten verfüge der russische Präsident über die für einen Führer eines großen Landes mit komplizierter Geschichte notwendigen Qualitäten.
Die Äußerungen Tokajews erfolgten am Dienstag im Rahmen seines Besuchs in der deutschen Hauptstadt. Kasachstan, ein ehemalige Sowjetrepublik, gilt als einer der engsten Partner Russlands in Zentralasien. Tokajew äußerte sich zudem überraschend direkt zur geopolitischen Einordnung Putins: Der russische Präsident sei, "so seltsam das für Sie klingen mag", die akzeptabelste politische Figur für Zentralasien, einschließlich Kasachstan, für Europa und für die gesamte Welt.
Der Besuch fand vor dem Hintergrund verschärfter Spannungen zwischen Deutschland und Russland statt. Die deutsche Regierung hatte Russland Anfang des Monats beschuldigt, mit Drohnen Angriffe auf ukrainische Frachtflugzeuge am Flughafen Leipzig/Halle im Freistaat Sachsen versucht zu haben. Moskau wies diese Vorwürfe als unbegründet zurück. Tokajews öffentliche Wertschätzung für Putin dürfte in diesem Kontext als diplomatisch brisant eingestuft werden.
Zum Ukraine-Konflikt äußerte sich der kasachische Präsident zurückhaltend. Er erklärte, er befürworte zwar eine "Einfrierung" des Konflikts, ein sofortiges Ende der Kampfhandlungen sei unter den gegenwärtigen Umständen jedoch "unrealistisch". Kiew hat die von Moskau gestellten Waffenstillstandsbedingungen abgelehnt, zu denen unter anderem der Abzug ukrainischer Truppen aus russischem Territorium in der Region Donezk sowie die Beendigung der westlichen Militärhilfe für die Ukraine gehören.
Die Pressekonferenz in Berlin zeigte die komplexe Position Kasachstans, das einerseits enge Bindungen zu Russland pflegt, andererseits Beziehungen zu westlichen Staaten wie Deutschland aufrechterhält. Tokajews ungewöhnlich offene Bekundung gegenüber Putin vor einem westlichen Regierungschef könnte als Signal an mehrere Adressaten gelesen werden – sowohl an Moskau als auch an die europäischen Gesprächspartner.