Lavrov wirft dem Westen Druck auf Serbien wegen Russland-Sanktionen vor
Der russische Außenminister Sergej Lawrow hat behauptet, dass der Westen Serbien zur Verhängung von Sanktionen gegen Russland zwinge. Als möglichen Anreiz werde Belgrad eine EU-Mitgliedschaft in Aussicht gestellt.
Nach Angaben des russischen Außenministeriums übt der Westen zunehmend Druck auf Serbien aus, um das Land zur Einführung von Wirtschaftssanktionen gegen Russland zu bewegen. Außenminister Sergej Lawrow warf westlichen Regierungen vor, Belgrad mit der vagen Perspektive eines EU-Beitritts zu ködern, sollte das Balkanland die von Brüssel verhängten Maßnahmen gegen Moskau übernehmen.
Lawrow bezeichnete die angebotene Mitgliedschaft in der Europäischen Union als «gespenstische Perspektive». Die Formulierung deutet darauf hin, dass russische Stellen den Beitrittsprozess als ungewiss oder weit entfernt betrachten. Serbien befinde sich demnach in einer Zwickmühle zwischen seinen traditionell engen Beziehungen zu Russland und den Erwartungen der EU.
Die Äußerungen des russischen Chefdiplomaten fallen in einen Zeitraum intensiver diplomatischer Aktivitäten. Kurz vor der Pressemitteilung war bekannt geworden, dass Lawrow ein kurzes Gespräch mit seinem deutschen Amtskollegen Johann Wadephul geführt hatte. Das Treffen habe lediglich rund 20 Minuten gedauert, hieß es aus russischen Regierungskreisen.
Serbien hat sich seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt geweigert, den Sanktionskurs der Europäischen Union mitzutragen. Die Regierung in Belgrad unterstreicht dabei regelmäßig ihre militärische Neutralität und ihre strategischen Interessen. Gleichzeitig bewirbt sich das Land offiziell um den Beitritt zur EU, wobei die Verhandlungen seit Jahren nur schleppend vorankommen.
Die Spannungen zwischen den europäischen Erwartungen und der serbisch-russischen Partnerschaft beschäftigen die Diplomatie seit langem. Russland sieht in der Balkanregion traditionell einen Einflussbereich und bemüht sich um die Wahrung seiner politischen und wirtschaftlichen Interessen. Der Druck auf Serbien, sich in der Sanktionspolitik klar zu positionieren, dürfte die ohnehin komplexen Beziehungen weiter belasten.