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In Libyen haben sich die Angriffe auf die kritische Energieinfrastruktur verschärft. Erst am Mittwoch wurde ein Umspannwerk in Zawiya, westlich von Tripolis, durch einen Drohnenangriff schwer beschädigt, was zu weiträumigen Stromausfällen führte. Schon in den Tagen zuvor war der bedeutende Öl- und Gasstandort wiederholt ins Visier genommen worden.
Besonders hart getroffen wird der Ölkomplex von Zawiya. Die staatliche Ölgesellschaft NOC meldete innerhalb weniger Tage fünf Attacken mit sprengstoffbeladenen Drohnen auf ihre Anlagen, vor allem auf Treibstofflager. Auch eine nahegelegene Anlage zur Meerwasserentsalzung wurde beschädigt.
Die Urheber dieser Anschläge sind noch unbekannt. Die Vorfälle ereignen sich jedoch in einer Zeit wachsender Anspannung zwischen der Regierung in Tripolis und dem Milizenführer Mohamed Bahrun, der in Zawiya das Sagen hat.
Gleichzeitig nimmt die Gewalt auch im Osten des Landes zu. Am 10. August wurde Fawzi al-Mansuri, der Leiter des militärischen Nachrichtendienstes der Libyschen Nationalarmee, durch eine Autobombe in Bengasi getötet. Auch für diese Tat hat sich bislang niemand verantwortlich bekannt.
Diese Eskalation trifft Libyen in einem entscheidenden Moment. Das OPEC-Mitglied bemüht sich, seine Öl- und Gasförderung anzukurbeln und ausländische Investoren anzuziehen. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hat zudem das Interesse an Energielieferungen aus Nordafrika gesteigert.
Parallel versucht die Trump-Regierung über ihren Afrika-Berater Massad Boulos, eine politische Einigung zwischen den verfeindeten Regierungen in Ost und West zu erreichen – allerdings bisher ohne Erfolg.
Der Nahost-Experte Geoff Porter sieht einen möglichen Zusammenhang: Boulos dränge auf eine schnelle politische Lösung, ohne die tiefgreifenden strukturellen Probleme der libyschen Spaltung anzugehen. Diese Einschätzung äußerte er gegenüber der Nachrichten- und Analyse-Website Al-Monitor.
Die zunehmenden Attacken könnten paradoxerweise genau in der Phase eskalieren, in der Washington die Wiedervereinigung der beiden libyschen Machtzentren vorantreibt.
Trotz der erneut unsicheren politischen und sicherheitspolitischen Lage erlebt die libysche Ölindustrie 2026 einen deutlichen Aufschwung. Im Juni förderte das Land etwa 1,44 Millionen Barrel pro Tag – ein Niveau, das seit 2013 nicht mehr erreicht wurde. Im Juli lag die tägliche Fördermenge bei circa 1,35 Millionen Barrel.
Libyen könnte vom Krieg zwischen den USA, Israel und Iran profitieren, da es sein Öl unabhängig von der Straße von Hormus exportieren kann. Mit rund 48 Milliarden Barrel nachgewiesenen Reserven und großen, bisher kaum erschlossenen Gasfeldern ist das Land sowohl für europäische Käufer als auch für internationale Ölkonzerne attraktiv.
Schon vor dem Iran-Krieg war das internationale Interesse gestiegen. Im Februar vergab die staatliche NOC erstmals seit 17 Jahren wieder Förderlizenzen. Zudem prüfen Ägypten und Libyen den Bau einer etwa eine Milliarde Dollar teuren Ölpipeline, die libysches Rohöl zu ägyptischen Raffinerien transportieren könnte.
Porter zufolge könnte die aktuelle Gewaltwelle mit den laufenden US-Vermittlungsbemühungen zusammenhängen: Verschiedene Fraktionen versuchten offenbar, ihre Machtpositionen und wirtschaftlichen Vorteile vor einer möglichen Einigung abzusichern.
Unterdessen setzt Washington seine Vermittlungsbemühungen fort. Der türkische Außenminister Hakan Fidan reiste am 11. August nach Libyen, um Gespräche mit Vertretern der rivalisierenden Regierungen im Osten und Westen zu führen.
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