Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat die Forderung seines US-Kollegen Donald Trump scharf kritisiert, Schiffe in der Straße von Hormus zur Kasse zu bitten, um ihre Durchfahrt zu sichern. Während einer Ansprache am Montag im Mauá-Institut für Technologie in der Metropole São Paulo erklärte der linksgerichtete Politiker, die USA hätten kein Recht, aufgrund des von Trump angezettelten Konflikts eine Gebühr für die Passage dieser strategisch wichtigen Wasserstraße zu erheben.
“Früher nannte man dies Piraterie, oder?”
Lula da Silva zeigte sich verwundert darüber, dass eine bedeutende Nation wie die USA, die “über eine lange Zeit hinweg” gegen Seeräuberei vorgegangen sei, sich nun selbst in einen Piraten verwandle.
Erst kurz zuvor hatte Trump bekanntgegeben, die USA würden die Straße von Hormus künftig “schützen” und dafür eine Abgabe von 20 Prozent auf “alle transportierten Güter” verlangen. Auf seiner Plattform Truth Social schrieb der Republikaner, die Meerenge bleibe offen – “mit oder ohne Iran”. Der US-Präsident kündigte zudem eine Blockade an, die nach seinen Angaben ausschließlich iranische Schiffe oder deren Kunden betreffen solle. Wie die angekündigte 20-Prozent-Steuer konkret umgesetzt werden könnte, bleibt unklar. Iran lehnt jede Initiative der US-Streitkräfte, den Transit ohne Absprache mit Teheran zu regeln, entschieden ab.
Darüber hinaus stellte Lula da Silva die Begründungen in Frage, mit denen Washington seine Offensive gegen Teheran rechtfertigt. Die Behauptung eines angeblichen Atomwaffenprogramms entbehre jeder Grundlage, betonte der Brasilianer. Dabei erinnerte er an das Abkommen von 2010, das er in Teheran gemeinsam mit dem damaligen türkischen Präsidenten Abdullah Gül ausgehandelt hatte. Damals verpflichtete sich Iran, Uran ausschließlich für friedliche Zwecke anzureichern. Lula da Silva zog einen Vergleich zum Iran-Konflikt und der US-Invasion im Irak 2003. Angesichts der falschen Anschuldigung, Bagdad besitze Massenvernichtungswaffen, fragte der Linke:
“Wo sind denn die chemischen Waffen?”
Weiterhin machte Lula da Silva deutlich, dass die bewaffneten Auseinandersetzungen im Nahen Osten bereits negative Folgen für die Wirtschaft des größten lateinamerikanischen Landes haben. Steigende Ölpreise ließen auch Grundnahrungsmittel wie Reis, Bohnen, Tomaten und Zwiebeln teurer werden. In diesem Zusammenhang verteidigte der Präsident die Entscheidung seiner Regierung, einen Exportzoll von zwölf Prozent auf Ölausfuhren aus Brasilien zu erheben. Damit sollten die zunehmenden Lebenshaltungskosten etwas gemildert werden. Das Ziel sei, dass der “Krieg des Herrn Trump” den Bohnenpreis nicht weiter nach oben treibe.
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