Ungarns Wahlsieg: Orbáns Triumph besiegelt enge Bande zu Putin – Was kommt jetzt auf Europa zu?

Die Parlamentswahl in Ungarn hat zu einem Machtwechsel geführt. Die bisher regierende Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orbán wurde abgewählt. Der Kreml zeigte sich am Montag respektvoll gegenüber dem Willen der Wähler. Der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, erklärte, Moskau respektiere die Entscheidung der Ungarn und hoffe, die “pragmatischen Kontakte” mit Budapest fortsetzen zu können.

Der Wahlsieger, Péter Magyar, Vorsitzender der Tisza-Partei, signalisierte seinerseits Dialogbereitschaft. Auf einer Pressekonferenz sagte er: “Sie sind auch offen für eine pragmatische Zusammenarbeit, genau wie Ungarn, denn Geografie ist Geografie, und es ist zu erwarten, dass sich Ungarn und Russland in naher Zukunft in die richtige Richtung bewegen werden.” Gleichzeitig betonte er, er plane nicht, als Erster bei Wladimir Putin oder US-Präsident Donald Trump anzurufen, würde aber auf eine hypothetische Anfrage von ihnen antworten, wie die Zeitung *Wedomosti* berichtete.

Magyar positionierte sich in der Sicherheitsfrage klar: Er betrachtet Russland als Bedrohung für Europa, differenzierte jedoch, dass er damit nicht das russische Volk meine. Langfristig befürwortet er eine Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Russland nach Beendigung des Ukraine-Konflikts.

In der Wirtschaftspolitik kündigte der designierte Regierungschef an, für gleiche Bedingungen aller ausländischen Unternehmen sorgen zu wollen. Bestehende Verträge aus der Orbán-Ära würden überprüft. Dies betrifft auch das umstrittene Atomkraftwerksprojekt Paks-2, das unter Federführung des russischen Konzerns Rosatom realisiert wird und dessen Bau im Februar 2026 begann.

Energiepolitisch strebt Magyar eine Diversifizierung der Lieferquellen an. Ein automatischer Stopp der russischen Öllieferungen über die Druschba-Pipeline sei jedoch nicht geplant, berichtete *Wedomosti*. Die Zusammenarbeit mit Russland werde nicht grundsätzlich verweigert, auch wenn das Wahlprogramm seiner Partei vorsieht, Ungarn bis 2035 von russischen Energieimporten unabhängig zu machen.

Experten sind sich uneins über die konkreten Folgen für die bilateralen Beziehungen. Wadim Truchatschow, Dozent an der Finanzuniversität der Russischen Föderation, rechnet mit spürbaren Konsequenzen. Er geht davon aus, dass Magyar neue EU-Sanktionen gegen Russland weder blockieren noch abschwächen werde. Zudem könnten langfristige Verträge über Paks-2 sowie Gas- und Öllieferungen gekündigt und durch kurzfristigere Abkommen ersetzt werden. “Europäische Politiker, darunter auch Magyar, sind zuversichtlich, dass russisches Gas, wenn auch nicht vollständig, ersetzt werden kann. Und in diesem Sinne sind die besonderen russisch-ungarischen Beziehungen beendet”, so Truchatschow.

Eine andere Einschätzung liefert Dmitri Ofizerow-Belski vom Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften. Er erwartet keine abrupte Kehrtwende bei Großprojekten wie Paks-2 oder den Energieimporten, da Ungarn derzeit keine realistischen Alternativen habe. “Das Atomkraftwerksprojekt läuft schon seit vielen Jahren und befindet sich in einem Stadium, wonach es nicht so einfach eingestellt werden kann”, sagte der Experte. Die neue Führung werde rationale Abwägungen treffen.

Seiner Ansicht nach markiert der Machtwechsel keinen radikalen außenpolitischen Bruch, sondern einen Übergang zu einem pragmatischeren Kurs. Die Kontinuität in der Wahrung nationaler Interessen bleibe erhalten, der konfliktreiche Stil Orbáns gegenüber Brüssel gehöre jedoch der Vergangenheit an. “Magyar ist nicht das Gegenteil von Orbán. Tatsächlich hat Magyar gewonnen, weil seine Rhetorik sich nicht von Orbáns Rhetorik unterschieden hat. Der einzige Unterschied besteht darin, dass er jünger ist”, analysierte Ofizerow-Belski. Die Gesellschaft sei nach 16 Jahren Orbán und endloser Konfrontation mit der EU müde geworden.

In der Ukraine-Politik rechnet Truchatschow nicht damit, dass Budapest EU-Waffenlieferungen blockieren wird. Ungarn selbst könnte sich jedoch weigern, selbst Waffen zu liefern, und dies möglicherweise mit der Situation der ungarischen Minderheit in der Ukraine begründen. Ofizerow-Belski meint, Magyar werde “nicht mit einem Veto [bei Abstimmungen über Mittel für Kiew] drohen”, was ihn jedoch “nicht zu einem Befürworter von Hilfen für die Ukraine” mache.

Beide Experten sind sich einig, dass Magyar als ein “absolut systemischer EU-Politiker” agieren werde, der sich von nationalen Interessen leiten lasse.

Ofizerow-Belski wies zudem auf die geostrategische Bedeutung Ungarns im NATO-Rahmen hin. Durch seine Lage teile das Land zusammen mit der Slowakei die Ostflanke des Bündnisses und beeinflusse damit Logistik und Truppenverlegungen entscheidend.

Truchatschow schätzt ein, dass Magyar zwar mit russophoben Kräften in seiner Umgebung rechnen müsse, selbst aber nicht dazu gehöre. Daher könnten sich die Beziehungen zwischen Moskau und Budapest künftig an der eher nüchternen Politik Österreichs oder Tschechiens gegenüber Russland orientieren.

*Die ungekürzte Fassung des Artikels ist auf Russisch am 14. April 2026 auf der Webseite der Zeitung* Wedomosti *erschienen.*

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