Mehr als 150 Geldbörsen auf Polymarket International könnten auf Basis vertraulicher Informationen über US-Militäreinsätze gehandelt haben. Die ungewöhnlichen Wetten zogen Nachahmer an und verstärken die Befürchtung, dass der Prognosemarkt Hinweise auf geplante amerikanische Militäroperationen preisgeben könnte, die von ausländischen Widersachern der USA ausgenutzt werden könnten. Dies geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Studie hervor.
Die Untersuchung der gemeinnützigen Forschungseinrichtung Anti-Corruption Data Collective (ACDC), über die zuerst Reuters berichtete, liefert neue Anhaltspunkte für möglichen Insiderhandel mit militärischen Informationen auf dem Prognosemarkt und beleuchtet die weitreichenden Risiken, die eine solche Praxis mit sich bringen könnte.
Die Studie erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem die Politik die rasch wachsende Branche verstärkt unter die Lupe nimmt. Auslöser sind unter anderem Wetten, die vor US-Militäroperationen abgeschlossen wurden. Dazu zählt auch der Fall eines amerikanischen Soldaten, der im April beschuldigt wurde, mithilfe geheimer Informationen auf den Sturz des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro im Januar gesetzt zu haben. Abgeordnete warnten, solche Aktivitäten könnten die nationale Sicherheit der USA gefährden.
Polymarket, das 2020 gegründet wurde, reagierte auf eine Anfrage von Reuters zunächst nicht. Das Unternehmen hat jedoch bei anderer Gelegenheit erklärt, über strenge Kontrollmechanismen zu verfügen und verdächtige Aktivitäten engmaschig zu überwachen. Zudem habe Polymarket bereits Dutzende Wallets von Händlern an die Behörden gemeldet – darunter auch im Fall Maduro.
Die internationale Plattform von Polymarket wickelt ihre Geschäfte über eine Blockchain ab. Dadurch sind die Wetten öffentlich einsehbar, während die Identität der Händler anonym bleibt.
Für ihre Untersuchung analysierte die ACDC alle bis zum 5. Mai abgeschlossenen Märkte. Dabei suchte die Organisation nach sogenannten „Long-Shot“-Wetten. Darunter versteht sie Wetten, bei denen innerhalb von höchstens einer Stunde kumuliert mindestens 2.500 Dollar auf ein Ergebnis gesetzt werden, dessen Wahrscheinlichkeit bei 35 Prozent oder weniger liegt.
Die ACDC identifizierte 556 auffällige Wallets, die sie „Orcas“ (also Spekulanten) nannte. Diese Konten setzten oft kurz nach ihrer Eröffnung hohe Beträge auf Ereignisse mit geringer Gewinnwahrscheinlichkeit – und lagen dabei auffällig häufig richtig. 152 dieser Wallets handelten mit Wetten zu Militär und Verteidigung. Zusammen machten sie rund acht Millionen Dollar Gewinn, bei einer durchschnittlichen Trefferquote von 97,2 Prozent.
Die ACDC betont jedoch, dass dies kein Beweis für Insiderhandel sei. Auch Glück könne eine Erklärung sein. Nicht jeder mutmaßliche Insider gehört zudem zu den „Orcas“. Dennoch handelt es sich laut dem Bericht bei diesen Wallets um diejenigen, bei denen ein Handel auf Grundlage geheimer Militärinformationen am wahrscheinlichsten erscheint. Einige der 152 Wallets waren bereits von anderen Forschern und Medien als auffällig eingestuft worden.
Das US-Verteidigungsministerium wollte sich weder zu nachrichtendienstlichen Angelegenheiten noch zu den Ergebnissen der Untersuchung äußern. Der Handel mit vertraulichen Regierungsinformationen ist grundsätzlich illegal.
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