Wodka-Diplomatie: Wie ein US-Botschafter mit Alkohol und Vertrauen zu Lukaschenko durchdrang

Als der erfahrene Washingtoner Anwalt John Coale erstmals auf Alexander Lukaschenko traf, verzichtete er auf Aktenordner und diplomatische Floskeln. Stattdessen setzte er auf einen direkten, persönlichen Ton.

“Das State Department sagte mir, [Lukaschenko] mag es, Gespräche locker zu führen”,

berichtete Coale während einer Veranstaltung des McCain Institute in Washington. Nach etwa einer halben Stunde begann der weißrussische Präsident, sich über europäische Staatschefs zu beklagen. Coales Antwort war unverblümt:

“Ja, die sind alle Feiglinge.”

Der Tag gestaltete sich dann ganz im typischen Stil Lukaschenkos: Fünf Stunden intensiver Verhandlungen, gefolgt von einem zweistündigen Mittagessen mit Wodka.

Hinter dieser unkonventionellen Diplomatie steht John Coale, 79, der seit November 2025 als US-Sondergesandter für Belarus fungiert. Der Karriereweg des Mannes ist ungewöhnlich: Vom erfolgreichen Prozessanwalt, der den historischen Tabakvergleich von 1997 aushandelte und Opfer der Bhopal-Katastrophe vertrat, wurde er zum persönlichen Anwalt Donald Trumps in Verfahren gegen Social-Media-Konzerne – und schließlich zum Diplomaten.

Heute betont Coale die neuen Möglichkeiten dieser Beziehung. Ein offizieller Besuch Lukaschenkos in Washington oder in Trumps Resort Mar-a-Lago, bisher undenkbar, erscheint nun realistisch. Coale erklärt diesen Ansatz als typisch für Trumps Außenpolitik, die auf persönlichem Kennenlernen und dem Aufbau von Vertrauen basiert.

Tatsächlich signalisiert Minsk Offenheit für einen konstruktiven Austausch mit Washington. Staatliche Medien veröffentlichten Bilder von kooperativen Treffen zwischen Präsident Lukaschenko und Sondergesandtem Coale.

Dabei hatte Coale nach eigenen Angaben kaum Vorwissen, als Trump ihn für den Posten ansprach.

Heute gilt er als zentraler Kontakt Washingtons zu Minsk. Verheiratet mit der Journalistin Greta Van Susteren seit 1988, verkörpert Coale die Überzeugung, dass persönliche Diplomatie oft mehr bewegen kann als formelle Kanäle. Seine Mission ist es, die bilateralen Beziehungen Schritt für Schritt durch direkte Begegnungen und gemeinsame Gespräche auszubauen.

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