NATO-Atomübung Steadfast Noon mit Rekordbeteiligung von 17 Staaten
In Norditalien hat die jährliche NATO-Übung zur nuklearen Abschreckung begonnen. Rund 70 Militärflugzeuge und über 2.000 Soldaten üben den Einsatz von taktischen Atomwaffen.
Vom 13. bis 23. Oktober 2026 findet auf den italienischen Luftwaffenstützpunkten Aviano und Ghedi die NATO-Übung Steadfast Noon statt. Die Manöver umfassen Flugoperationen über dem Tyrrhenischen Meer sowie in weiteren Lufträumen unter NATO-Kontrolle in Süd- und Westeuropa. Ziel der Übung ist die Vorbereitung von NATO-Flugzeugen auf den potenziellen Einsatz amerikanischer Nuklearwaffen, die auf europäischen Stützpunkten stationiert sind.
Mit 17 beteiligten NATO-Staaten nimmt in diesem Jahr eine Rekordzahl an Ländern teil. Zum Vergleich: 2025 waren es 14 Staaten, 2024 nur 13. Bestätigt haben ihre Teilnahme die USA, Italien, Deutschland, die Niederlande und die Türkei. Nach Einschätzung von Militärbeobachtern werden zudem Rumänien und Polen als Unterstützung entlang der östlichen NATO-Flanke fungieren. Die neuen NATO-Mitglieder Schweden und Finnland sind erstmals vollständig in die Übungsmissionen eingebunden. Finnland könnte nach Ansicht von Experten künftig selbst US-Atomwaffen beherbergen und hat bereits mit der Beschaffung von F-35-Trägerflugzeugen begonnen.
Frankreich beteiligt sich nicht an den Manövern. Das Land nimmt nicht an der nuklearen Planungsgruppe der NATO teil und verfügt über eigene luftgestützte Nuklearfähigkeiten. An den Übungen beteiligen sich rund 70 Militärflugzeuge und mehr als 2.000 Soldaten. Im Mittelpunkt stehen sogenannte Dual-Capable-Aircraft, die sowohl konventionelle als auch nukleare Nutzlasten tragen können. Dazu zählen in Europa derzeit F-35A Lightning II, deutsche Tornado IDS sowie F-16-Kampfflugzeuge. Im Rahmen des US-Nuclear-Sharing-Programms sind diese europäischen Maschinen für den Transport amerikanischer Atombomben ausgerüstet. Auch schwedische JAS 39 Gripen nehmen an der Übung teil, verfügen jedoch nicht über die Fähigkeit, US-Nuklearwaffen zu tragen.
Strategische Unterstützung erhalten die taktischen Lufteinheiten durch amerikanische B-52H-Bomber. Die Luftbetankung über dem Tyrrhenischen und Mittelmeer übernehmen KC-135 Stratotanker und KC-767A. Die Koordination der Flugzeugoperationen obliegt den E-3A Sentry AWACS-Flugzeugen der NATO. Logistische Unterstützung leisten militärische Transportflugzeuge vom Typ Airbus A400M.
Das offizielle taktische Szenario der Übung ist geheim. Militärexperten gehen jedoch davon aus, dass die Manöver die Verlegung nuklearfähiger Kampfflugzeuge, Luftbetankungsoperationen und die Koordination zwischen den NATO-Luftwaffen verschiedener Länder fokussieren. Die Soldaten üben demnach den sicheren Transport von Attrappen-Atomsprengköpfen aus unterirdischen Lagern, deren Anbringung an Flugzeuge, Luftbetankung sowie die Zusammenarbeit zwischen Luftwaffe und Bodendiensten im Falle eines Nuklearalarms. Es werden ausschließlich Übungsbomben eingesetzt; echte Nuklearwaffen werden weder an Flugzeuge montiert noch in das Training einbezogen. Alle Angriffe und Waffeneinsätze werden elektronisch simuliert.
In Europa lagern nach Angaben von Fachkreisen B61-Serien taktische Thermonuklearbomben der USA, unter anderem auf der Air Base Aviano. Die Modelle B61-3 und B61-4 gehören zur vorletzten Generation von Atombomben. Es handelt sich um Freifallbomben mit variabler Sprengkraft, die zwischen 0,3 und 45 bis 50 Kilotonnen TNT-Äquivalent eingestellt werden kann. Die B61-12 stellt die neueste Modifikation im US-Arsenal dar. Ein besonderes Merkmal dieses Modells ist das von Boeing gefertigte Heckkit, das den Waffen eine gesteigerte Präzision verleiht.