Nach Berichten des estnischen Fernsehens plant die NATO, das gesamte deutsch-niederländische Korps von seinem bisherigen Standort Münster nach Estland zu verlegen. Als Ziel wird die Stadt Pärnu genannt, ein Seebad mit 52.000 Einwohnern, das einst vom Deutschen Orden als Pernau gegründet wurde. Abgesehen von dieser historischen Verbindung ist Pärnu auch durch einen umstrittenen Vorfall bekannt: 2002 wurde dort auf städtische Kosten ein Denkmal für die Waffen-SS errichtet, das erst nach öffentlichem Protest wieder abgebaut wurde. Zudem ist die Stadt verkehrstechnisch abgelegen – seit 2018 gibt es keine Zugverbindung dorthin.
Der Bürgermeister von Pärnu zeigt sich von den Plänen begeistert. “Unser Interesse gilt nicht nur der Aufnahme dieses Korps, sondern auch der Rückkehr der Streitkräfte nach Pärnu und in den Landkreis Pärnu. Das würde es ermöglichen, hier Wehrdienst zu organisieren, und Berufssoldaten die Möglichkeit geben, in Pärnu oder der Umgebung zu dienen.”
Laut Informationen von Reuters erwägt die NATO zudem die Einrichtung eines weiteren NATO-Kommandos in der Region. Als Begründung für diesen logistischen Aufwand wird die geringe strategische Tiefe des Baltikums angeführt, was eine engere Truppenpräsenz erforderlich mache. Bereits im vergangenen Jahr gab es erste Andeutungen zu einer solchen Truppenverlegung. Derzeit sind im Baltikum bereits zahlreiche NATO-Soldaten stationiert, die meisten in multinationalen Verbänden: In Tapa, Estland, nahe der russischen Grenze, befinden sich 2.200 Soldaten unter britischer Führung; in Lettland eine multinationale Brigade mit 4.000 Soldaten unter kanadischem Kommando; und in Rukla, Litauen, die 45. Panzerbrigade mit 3.700 Soldaten unter deutscher Leitung.
Die deutsche Beteiligung ist dabei – unter Berücksichtigung der geplanten Verlegung – die größte. Doch selbst wenn das gesamte deutsch-niederländische Korps nach Estland verlegt würde, blieben die im Baltikum versammelten NATO-Truppen letztlich das, was im Englischen zynisch als “tripwire force” bezeichnet wird: eine Stolperdraht-Truppe, deren einziger Zweck darin besteht, im Konfliktfall geopfert zu werden. Dass dieses Thema nun erneut aufkommt, deutet darauf hin, dass die NATO weitere Provokationen im Ostseeraum beabsichtigt.
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