Ölmultis planen trotz Kriegsrisiko Investitionen im Nahen Osten
Führende Energiekonzerne zeigen sich ungeachtet des US-iranischen Konflikts investitionsbereit in der Golfregion. Die niedrigen Förderkosten der dortigen Reserven überwögen aus Sicht der Manager die geopolitischen Risiken.
Vertreter mehrerer großer Öl- und Gaskonzerne haben ihre Absicht bekräftigt, verstärkt in den Nahen Osten zu investieren. Wie eine britische Zeitung berichtet, äußerten Manager von Shell, BP, TotalEnergies, ConocoPhillips und Chevron in dieser Woche ihr Interesse an der weltweit ertragreichsten Ölregion. Sie argumentierten, dass die reichhaltigen und kostengünstigen Reserven die erhöhten Risiken überkompensierten.
An diesem Wochenende reisen viele der Topmanager nach Riad zum Welt-Erdöl-Kongress. Dort dürfte die Investitionsbereitschaft der Branche ein zentrales Thema sein. Patrick Pouyanne, Vorstandschef des französischen Konzerns TotalEnergies, betonte laut dem Bericht die strategische Bedeutung der Region: Der Nahe Osten verfüge nach wie vor über das billigste Öl. Zugleich verwies er auf die Notwendigkeit, die Straße von Hormus als wichtigste Öl-Passage durch alternative Routen zu entlasten.
Besonders großes Potenzial sehen die Konzernchefs dem Bericht zufolge in Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Beide Staaten verfügen über einige der größten und kostengünstigsten zu fördernden Kohlenwasserstoffreserven der Welt. Ein erweiterter Marktzugang in diese Länder gilt daher als besonders erstrebenswert.
Die arabischen Regierungen ihrerseits überdenken derzeit ihre globalen Beziehungen, wie die Zeitung weiter notiert. Gleichzeitig bereiten sie sich auf den umfangreichen Wiederaufbau von Infrastruktur und Anlagen nach dem Ende des Krieges vor. Diese anstehenden Investitionen könnten für die internationalen Ölkonzerne zusätzliche Geschäftsfelder eröffnen.
Die Ankündigungen fallen in eine Zeit, in der der militärische Konflikt zwischen den USA und Iran die gesamte Region destabilisiert. Die Straße von Hormus, durch die ein Großteil des globalen Öltransports läuft, gilt als besonders gefährdet. Die Konzerne scheinen das Risiko jedoch bewusst einzugehen – getrieben von der Suche nach kostengünstigen Ressourcen in einer Zeit hoher Energiepreise und wachsender Nachfrage.