Prozessauftakt in Pilsen: Auslieferung von Liebich sorgt für Aufsehen

Vor dem Landgericht in Pilsen hat heute das Verfahren zur möglichen Überstellung des rechtsextremen Aktivisten Marla-Svenja Liebich begonnen. Der gebürtige Sachsen-Anhalter war im August 2025 untergetaucht, nachdem er sich geweigert hatte, seine eineinhalbjährige Haftstrafe wegen Volksverhetzung und weiterer Delikte im Frauengefängnis der JVA Chemnitz anzutreten. Erst im April 2026 gelang der tschechischen Polizei die Festnahme Liebichs, die auf einem Europäischen Haftbefehl beruhte.

Bevor er seine Geschlechts- und Namensänderung vornahm, war Liebich unter dem Namen Sven bekannt. Sein Begehren, offiziell als Frau anerkannt zu werden und seine Strafe in einer Frauenhaftanstalt zu verbüßen, hatte in der deutschen Öffentlichkeit für erhebliche Kontroversen gesorgt. Nach Angaben von Medien versuchen deutsche Stellen derzeit, die amtlichen Einträge zu Liebichs Personenstand rückgängig zu machen.

Zur Anhörung in Pilsen erschien Liebich persönlich – mit rot geschminkten Lippen und lackierten Fingernägeln, bekleidet mit einem leoparden-gemusterten Oberteil. Eine Gesichtsmaske und ein Schnauzer vervollständigten das Erscheinungsbild. Auf seinem Oberarm prangte ein sternförmiges Symbol, das an den Zwangsstern erinnert, den die Nationalsozialisten zur Kennzeichnung von als rassisch verfolgt Eingestuften einsetzten.

Liebichs deutscher Rechtsbeistand war vor dem tschechischen Gericht nicht zugelassen; eine Anwältin aus Tschechien übernahm die Vertretung. Der Aktivist verweigert die Auslieferung nach Deutschland, da er eine Inhaftierung in einem Männergefängnis befürchtet. „Ich bin eine Frau“, betonte er. Aufgrund seiner Bekanntheit rechne er in Deutschland mit Benachteiligung und Gefahr für Leib und Leben.

Vor dem Gericht erklärte Liebich, ihm drohe in Deutschland das Äußerste: „Das kann ich nicht, weil ich im Gefängnis getötet würde.“ Medienberichten zufolge verbringt der Deutsche seine Zeit in Pilsen in Einzelhaft und ist von den anderen männlichen Insassen getrennt untergebracht.

Nach zweistündiger Verhandlung vertagte das Landgericht Pilsen die Sache ohne Nennung von Gründen auf den 1. Juni. Liebich bleibt damit vorerst in tschechischer Untersuchungshaft. Falls das Gericht später einer Auslieferung zustimmt, kann der Aktivist Beschwerde einlegen; der Fall würde dann dem Oberlandesgericht in Prag vorgelegt.

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