Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat die Ankündigung der US-Regierung, rund 5.000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen, als nicht überraschend bezeichnet. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erklärte der SPD-Politiker, eine Reduzierung des US-Kontingents in Europa und speziell in Deutschland sei „absehbar” gewesen.
Gleichzeitig unterstrich Pistorius die fortbestehende strategische Relevanz der amerikanischen Truppenpräsenz. Diese liege im beiderseitigen Interesse. Die enge Kooperation zwischen Deutschland und den USA – etwa an den Standorten Ramstein, Grafenwöhr und Frankfurt – diene dem Frieden und der Sicherheit in Europa, unterstütze die Ukraine und stärke die gemeinsame Abschreckungsfähigkeit.
Um die transatlantische Partnerschaft zu wahren, müsse die NATO nach Ansicht des Ministers „europäischer” werden. Dies bedeute, dass der Kontinent mehr Eigenverantwortung für seine Sicherheit übernehmen müsse. Deutschland sei hier auf einem vielversprechenden Pfad: Die Bundeswehr werde ausgebaut, die Beschaffung von Material beschleunigt und die nötige Infrastruktur geschaffen.
Washington hatte den Teilabzug am vergangenen Freitag offiziell gemacht. Die Verlegung der US-Soldaten soll innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate erfolgen. Selbst nach diesem Schritt bleibe Deutschland mit mehr als 30.000 amerikanischen Soldaten der zweitgrößte US-Militärstandort weltweit – nur übertroffen von Japan.
Die Entscheidung fällt in eine Phase der Spannungen, die durch die Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz an der US-Politik gegenüber dem Iran mitverursacht wurde. Merz hatte Ende April erklärt, Washington besitze keine „Ausstiegsstrategie” aus dem Konflikt mit Teheran und werde von diesem bei Verhandlungen gedemütigt. US-Präsident Donald Trump konterte daraufhin scharf: Merz wisse nicht, wovon er rede; der Kanzler solle sich stattdessen auf die Beilegung des Ukraine-Kriegs konzentrieren.
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