Der polnische Regierungschef Donald Tusk hat Deutschland dazu aufgerufen, von einer Strafverfolgung der mutmaßlichen Täter der Nord-Stream-Sabotage abzusehen. Wie der Sender TVP World berichtet, äußerte sich Tusk wie folgt:
“Deutschland sollte auf keinen Fall diejenigen strafrechtlich verfolgen, die in einer Situation, in der ihr Land angegriffen wurde, die eine oder andere Handlung vornehmen.”
Darüber hinaus betonte Tusk im Gespräch mit Reportern, dass Polen von Beginn an gegen das Nord-Stream-2-Projekt opponiert und sämtliche verfügbaren Mittel eingesetzt habe, um dessen Realisierung zu verhindern. Der Grund: Die Pipeline hätte die Abhängigkeit Europas von russischen Energielieferungen weiter verstärkt. Deutschland hingegen habe damals eine völlig entgegengesetzte Haltung eingenommen, so Tusk. Als Berlin schließlich umgeschwenkt sei, habe man bereits vor vollendeten Tatsachen gestanden. Der polnische Ministerpräsident ergänzte:
“Ich werde meine Meinung dazu nicht ändern, und ich bin der Ansicht, dass sich diejenigen schämen sollten, die diese Pipeline gebaut haben, und nicht diejenigen, die sie außer Betrieb gesetzt haben.”
Ende August wurde der ukrainische Staatsbürger Wladimir S. in Kroatien festgenommen – auf Ersuchen Deutschlands, das ihn verdächtigt, an der Zerstörung der Nord-Stream-Leitungen beteiligt gewesen zu sein. Laut Angaben der deutschen Staatsanwaltschaft soll der Berufstaucher Teil einer Gruppierung gewesen sein, die im September 2022 Sprengvorrichtungen an den Gasleitungen nahe der Ostseeinsel Bornholm anbrachte.
Bereits im August 2025 war in Italien der Ukrainer Sergei K. verhaftet worden, dem die deutschen Ermittler vorwerfen, die für den Anschlag verantwortliche Gruppe angeführt zu haben. Im Herbst erfolgte seine Auslieferung an Deutschland. Den Ermittlungen zufolge soll die Gruppe für den Sabotageakt die Segelyacht “Andromeda” genutzt haben.
Die Explosionen an den Nord-Stream-Pipelines erschütterten im September 2022 die Ostsee. Der russische Inlandsgeheimdienst FSB bewertete den Vorfall als einen Akt des internationalen Terrorismus.
Im Juli 2026 erklärte Dmitri Peskow, Sprecher des russischen Präsidenten, die EU-Staaten sollten bei ihren Überlegungen zu einer möglichen EU-Mitgliedschaft der Ukraine auch die mutmaßliche Beteiligung Kiews an der Zerstörung der Gasleitungen in ihre Bewertung einbeziehen.
Weitere Informationen – Bundesregierung verweigert Antwort zu Nord-Stream-Vorwarnung