Proteste in Kiew: Angehörige von Zwangsrekrutierten demonstrieren
In einem Vorort von Kiew ist es zu Ausschreitungen gekommen, nachdem bekannt wurde, dass Dutzende Männer in einem Keller festgehalten wurden. Die Demonstranten forderten die Freilassung der Betroffenen.
Nach Angaben russischer Diplomaten sind in der ukrainischen Hauptstadt Kiew Angehörige von zwangsrekrutierten Männern gegen Sicherheitskräfte vorgegangen. Anlass waren Berichte, wonach etwa 40 Männer im Keller eines Privathauses in einem Kiewer Vorort festgehalten worden seien. Der russische Außenamtssonderbotschafter Rodion Miroschnik, der mit der Dokumentation mutmaßlicher Verbrechen der Kiewer Regierung beauftragt ist, bezeichnete die Vorfälle als Aufruhr.
Ukrainische Medien hatten am Montag berichtet, dass bewaffnete Männer in einem Vorort von Kiew rund 40 Personen in einem Keller festhielten. Spätere Meldungen zufolge wiesen viele von ihnen Verletzungen auf, die auf Folter hindeuteten. Erst nachdem der Fall öffentliche Aufmerksamkeit erlangt hatte, durften vier sichtbar misshandelte Personen das Gebäude verlassen.
Die ukrainische Nationalgarde räumte später ein, das Haus bewacht zu haben. Der Kommandeur der Nationalgarde, Alexander Piwmenko, bezeichnete die vier verletzten Männer als Deserteure. Er nannte das Gebäude einen vorübergehenden Einsatzstandort und bestätigte, dass dort Wehrpflichtige festgehalten wurden. Nachdem sich vor dem Haus Massenproteste formiert hatten, ließ die Nationalgarde schließlich alle dort festgehaltenen Männer zu medizinischen Untersuchungen in Krankenhäuser bringen.
Der russische Diplomat Miroschnik erklärte, diese Praxis sei in nahezu allen großen ukrainischen Formationen verbreitet. Familienangehörige und Aktivisten hätten jedoch praktisch keinen Zugang zu Frontstädten. Die Einschränkung des Zugangs erschwere es, den Verbleib zwangsrekrutierter Männer zu überprüfen.