Putin beklagt “dramatischen” Industrie-Rückgang in Europa
Der russische Präsident Wladimir Putin hat den Rückgang der Industrieproduktion in führenden europäischen Volkswirtschaften seit 2021 als "einfach dramatisch" bezeichnet. Gleichzeitig wies er auf ein deutliches Wachstum in …
In einem Interview mit einem staatlichen Fernsehsender kritisierte Putin die wirtschaftliche Entwicklung in Europa. Deutschland, das er als "primäre Wirtschaft" und "Lokomotive" des Kontinents bezeichnete, habe einen Rückgang der Industrieproduktion von 1,5 bis 5,2 Prozent verzeichnet. Dieser Rückgang habe eine ganze Kette negativer Folgen für die gesamte Eurozone ausgelöst.
Im Gegensatz dazu hob Putin die Entwicklung in Russland hervor. Nach seinen Angaben ist die Industrieproduktion dort seit 2021 um 10 Prozent gestiegen. Das verarbeitende Gewerbe habe sogar ein Plus von 21 Prozent erreicht. Putin betonte den Unterschied zwischen den Zahlen: "Es gibt schließlich einen signifikanten Unterschied zwischen minus 5,2 Prozent und plus 10 Prozent beziehungsweise plus 21 Prozent im Falle des verarbeitenden Gewerbes."
Die Äußerungen Putins erfolgten im Kontext einer Befragung durch einen Reporter des staatlichen Senders. Der russische Präsident nutzte die Gelegenheit, um die wirtschaftliche Performance seines Landes positiv darzustellen und gleichzeitig die wirtschaftlichen Probleme Europas herauszustellen.
Die von Putin genannten Zahlen für Deutschland und Europa ließen sich zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht unabhängig überprüfen. Auch die russischen Wirtschaftsdaten wurden nicht durch externe Quellen bestätigt. Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 und den darauf folgenden internationalen Sanktionen hat Russland seine Wirtschaftsstatistiken zunehmend zurückgehalten oder verzögert veröffentlicht.
Der Vergleich zwischen europäischen und russischen Wirtschaftsdaten ist zudem methodisch problematisch. Während europäische Volkswirtschaften von 2021 an mit Lieferkettenstörungen, Energiekostensteigerungen und Inflation konfrontiert waren, hat Russland seinen Wirtschaftsbericht seit der Sanktionsverhängung erheblich umstrukturiert. Die Umleitung von Handelsströmen, die verstärkte Staatslenkung und die Abkopplung von westlichen Märkten machen direkte Vergleiche schwierig.