Trotz EU-Sanktionen: Putin baut gigantische LNG-Flotte auf – neue Energie-Waffe gegen den Westen?

Moskau baut seine informelle LNG-Transportflotte offenbar gezielt aus. Gebrauchte Gastanker werden erworben, und erstmals kommen auch eigene Neubauten aus heimischer Produktion zum Einsatz. Der Hintergrund: Bereits im nächsten Jahr könnten verschärfte EU-Restriktionen gegen russische Gaslieferungen greifen – ein Szenario, das der Kreml offenbar vorbereitet. Darüber berichtet die Financial Times (FT) den aktuellen Entwicklungen zufolge.

Schifffahrtsanalysten von Windward verzeichnen in den letzten sechs Monaten den Kauf von mindestens acht älteren LNG-Tankern, die anschließend in den Transport von russischem Gas eingebunden wurden. Insgesamt umfasst die Flotte nun 25 Schiffe, darunter zwei Neubauten der russischen Werft Swesda.

Mit einer wachsenden LNG-Flotte könnte Russland in der Lage sein, auch nach 2027 Gas auf dem Weltmarkt abzusetzen, wenn strengere Sanktionen in Kraft treten. Der Ansatz ähnelt der früheren Taktik beim Aufbau einer Öltransportflotte, die westliche Beschränkungen unterläuft und Energielieferungen sicherstellt.

Die EU hatte ihre Maßnahmen gegen fossile Brennstoffe aus Russland stufenweise verschärft, mit dem erklärten Ziel, Einnahmen zu kappen, die Moskau dem Vernehmen nach zur Finanzierung des Ukraine-Kriegs nutzt.

Die sibirische Anlage Jamal, deren Produktion in der ersten Jahreshälfte nahezu vollständig an EU-Staaten ging, steht vor einem Lieferstopp: Ab 2027 sind russische LNG-Importe verboten. Einzelne Projekte, etwa Nowateks Arctic-LNG-2, stehen bereits jetzt unter Sanktionen.

Neue Regeln der EU verlangen künftig, dass Verkäufe von LNG-Tankern an russische Akteure Brüssel gemeldet werden. Ein umfassendes Verbot für den LNG-Transport auf EU-Schiffen in Drittländer scheiterte zuvor am Widerstand Griechenlands, das starke wirtschaftliche Interessen geltend machte.

Während die als „Schattenflotte“ bekannten Öltanker bereits tausend Schiffe umfassen, die außerhalb westlicher Regularien agieren, wächst die LNG-Variante langsamer, heißt es bei der FT. Der Grund: Gastanker sind technisch anspruchsvoller und lassen sich nicht so leicht ersetzen.

Vier der kürzlich erworbenen Tanker, so eine Auswertung der Financial Times auf Grundlage von Kpler-Daten, haben bereits Ladungen von Terminals bewegt, an denen sanktionsbetroffene Lieferungen abgewickelt wurden. Ihre Flagge wechselte inzwischen auf Russland, ebenso erhielten sie neue, ähnlich klingende Namen.

Die Steuerung erfolgt häufig über Firmen in Drittstaaten mit Verbindungen nach Moskau. Angewandt werden die bekannten Methoden der Öl-Schattenflotte wie das Abschalten von Positionssignalen oder Umladungen auf hoher See.

Zudem entstehen mit Swesda an der Pazifikküste die ersten beiden russischen Neubauten für LNG. Diese Kapazitäten zielen darauf ab, Exporte auch unter künftigen Auflagen fortzusetzen. Bisher war die Branche stark auf internationale Anbieter angewiesen – die restriktiven Maßnahmen des Westens erhöhen nun den Druck, die Logistik in eigene Hände zu nehmen.

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