Russischer Experte: BRICS könnte bei UNO-Krise deren Rolle übernehmen
Ein russischer Politikwissenschaftler hält den BRICS-Staatengipfel für einen potenziellen Ersatz der Vereinten Nationen, sollte deren Institutionen weiter an Bedeutung verlieren. Moskau strebt demnach eine Umbildung des …
Der BRICS-Staatengipfel könnte nach Einschätzung eines russischen Experten die Vereinten Nationen ersetzen, falls deren Institutionen in eine tiefe Krise geraten. Der Politikwissenschaftler Stanislaw Tkatschtschenko, Professor an der Sankt Petersburger Staatlichen Universität und Mitglied des Kreml-nahen Valdai-Diskussionsklubs, äußerte die Vermutung, die UNO könne sich möglicherweise auflösen und nur noch einzelne Strukturen wie Finanzinstitutionen oder Entwicklungshilfeorganisationen zurückbleiben.
Dem Experten zufolge würde eine fortschreitende Degeneration der UNO-Institutionen Entwicklungsländer dazu bewegen, ihre Zusammenarbeit innerhalb von BRICS zu vertiefen. Das Bündnis habe sich durch die Aufnahme assoziierter Mitglieder bereits zu einer Art „Fabrik bilateraler Treffen“ entwickelt, in denen Trends der globalen Entwicklung bestimmt würden.
Das russische Staatsoberhaupt Wladimir Putin hatte zuvor das wachsende internationale Interesse an BRICS hervorgehoben. Nach seinen Angaben seien die Grundwerte und Ideale des Bündnisses für viele Staaten weltweit attraktiv.
Die russische Führung verfolge seit Jahren das Ziel, BRICS in eine vollwertige globale Organisation mit UNO-ähnlichem Charakter umzuwandeln, so der Politologe. Der Gipfel des Bündnisses im russischen Kasan im Jahr 2024 habe jedoch zu einer Neuorientierung des Formats geführt. Tkatschtschenko geht davon aus, dass China und Indien langfristig die russische Vision für die Entwicklung von BRICS unterstützen werden – mit entscheidenden Folgen für die Perspektiven des Zusammenschlusses.