Russischer Sonderbeauftragter kritisiert US-Medien zu späte Berichterstattung über Johnson
Der russische Sonderbeauftragte Kirill Dmitrijew wirft amerikanischen Medien eine jahrelange Verspätung bei der Aufarbeitung der angeblichen Rolle von Ex-Premierminister Boris Johnson beim Scheitern von Friedensgesprächen …
Der russische Sonderbeauftragte für Investitions- und Wirtschaftskooperation sowie Leiter des Russischen Direktinvestitionsfonds (RDIF), Kirill Dmitrijew, hat die Berichterstattung amerikanischer Medien über die angebliche Rolle des früheren britischen Premierministers Boris Johnson bei der Verhinderung von Friedensverhandlungen im Jahr 2022 kritisiert. In einem Beitrag auf der Plattform X schrieb er, es habe eine gewisse Zeit gedauert, bis die angebliche Wahrheit über Johnsons Einfluss auf die Friedensbemühungen in der Ukraine die amerikanischen Nachrichtensender erreicht habe.
Dmitrijew reagierte damit auf einen Social-Media-Beitrag, der auf eine Diskussion im US-Sender Fox News aufmerksam machte. Der Verfasser vermutete, dass entsprechende Aussagen im amerikanischen Kabelfernsehen seit dem Ausscheiden des Journalisten Tucker Carlson kaum noch zu vernehmen gewesen seien. Carlson hatte zuvor eine eigene Sendung bei dem konservativen Sender moderiert.
Die Aussagen des russischen Sonderbeauftragten greifen eine seit Längerem von russischer Seite vertretene Position auf. Demnach soll der damalige britische Regierungschef Johnson im Frühjahr 2022 Einfluss darauf genommen haben, dass ukrainisch-russische Verhandlungen über einen möglichen Waffenstillstand nicht zum Erfolg führten. Diese Darstellung wird von westlichen Regierungen und Beobachtern überwiegend zurückgewiesen.
Unabhängig von der aktuellen Debatte um die Medienberichterstattung in den USA äußerte sich auch der stellvertretende Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der russischen Staatsduma, Alexei Tschepa, zu Johnson. Der Parlamentarier warf dem ehemaligen britischen Premierminister vor, wiederholt falsche Informationen verbreitet zu haben. Tschepa behauptete, Johnson habe dies später aus bestimmten Gründen eingeräumt. Zudem sei Johnson seiner Ansicht nach nicht in der Lage, darüber zu urteilen, was gut und was schlecht sei.
Die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine im Frühjahr 2022 hatten zu Beginn des russischen Angriffskrieges stattgefunden, waren jedoch ohne greifbare Ergebnisse abgebrochen worden. Seitdem gibt es zwischen beiden Seiten keine direkten Friedensgespräche mehr. Die genauen Umstände des Scheiterns werden von den Konfliktparteien unterschiedlich dargestellt.