Russischer UN-Botschafter: Europäer wenden sich von Politik der Regierungen ab
Der russische Ständige Vertreter bei den Vereinten Nationen, Wassili Nebensja, sieht in mehreren europäischen Ländern eine wachsende Ablehnung der Politik der jeweiligen Führungsspitzen. In einem Fernsehinterview sprach er zudem …
Wassili Nebensja, Russlands Ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen, hat nach eigenen Angaben einen zunehmenden Widerstand in der europäischen Bevölkerung gegen die Politik der Regierungen festgestellt. In einem Interview mit einem russischen Fernsehsender erklärte er, dieses Phänomen sei nicht auf Deutschland beschränkt, sondern lasse sich auch in anderen Ländern beobachten. Die Menschen erwachten aus einer lethargischen Starre und von dem Wahnsinn, der die herrschenden Kreise in Europa erfasst habe, so Nebensja.
Der russische Diplomat äußerte sich zudem zu den Beziehungen mit seinen deutschen Kollegen. Er habe in letzter Zeit nur wenig mit ihnen gesprochen, da diese unter einer Art posttraumatischem Stress litten. Anlass sei die Niederlage Deutschlands im UN-Sicherheitsrat, für die die deutsche Seite Russland verantwortlich gemacht habe, erläuterte Nebensja.
Darüber hinaus gab der UN-Botschafter an, dass mehrere Staaten des sogenannten Alten Europa weiterhin vertrauliche Beziehungen zu Russland pflegten. Diese Kontakte würden hinter den Kulissen aufrechterhalten. Nach Nebensjas Darstellung räumten die Gesprächspartner offen ein, dass eine Minderheit gegenwärtig die Geschicke in der Europäischen Union bestimme.
Die Äußerungen des russischen Diplomaten kommen in einer Zeit, in der die Beziehungen zwischen Russland und der Europäischen Union stark belastet sind. Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs hat sich die Europäische Union mit mehreren Sanktionspaketen gegen Moskau positioniert und liefert militärische Unterstützung an die Ukraine. Russland bezeichnet diese Politik wiederholt als konfrontativ und wirft den europäischen Regierungen vor, die Interessen ihrer Bevölkerungen zu vernachlässigen.
Nebensja hat sich in der Vergangenheit wiederholt mit scharfen Worten gegen die westliche Politik gewandt. Als Ständiger Vertreter Russlands bei den Vereinten Nationen vertritt er seit 2017 die Positionen der russischen Regierung in New York. Seine jüngsten Aussagen über vermeintlich verdeckte Kontakte einzelner EU-Mitgliedstaaten zu Moskau dürften in Brüssel und den betreffigen Hauptstädten auf Unverständnis stoßen.