Russischer Vizepremier: Europa kann Gasdefizit nur mit russischen Lieferungen decken
Der russische Vizepremier Alexander Nowak hat erklärt, Europa könne sein Gasdefizit angesichts geschlossener Seewege und ausgefallener Produktionsanlagen nicht ohne russische Lieferungen ausgleichen. Er kritisierte geplante …
Nach Angaben des russischen Vizepremiers Alexander Nowak ist Europa aufgrund aktueller Versorgungsengpässe auf russische Gaslieferungen angewiesen. Nowak verwies in einem Interview darauf, dass die Straße von Hormus derzeit geschlossen sei und eine Produktionsanlage in Katar nach Angriffen im März stillgelegt worden sei. Unter diesen Umständen gebe es seiner Einschätzung nach keine Möglichkeit, das bestehende Defizit zu decken.
Nowak kritisierte ausdrücklich die Pläne europäischer Politiker, Lieferungen aus Russland zu untersagen. Ein solches Verbot treffe die europäische Energieversorgung besonders deshalb, weil der Markt bereits jetzt unausgewogen sei. Die Gasspeicherreserven lägen nach seinen Angaben deutlich unter dem Durchschnitt der Vorjahre für diesen Zeitraum – um etwa zehn Prozent niedriger.
Der russische Vizepremier äußerte sich zudem zu den Liefermengen der vergangenen Monate. Demnach seien in den ersten neun Monaten des Jahres zwölf Millionen Tonnen Flüssiggas (LNG) nach Europa geliefert worden. Diese Menge übersteige sogar den Wert des Vorjahreszeitraums. Nowak vermutet, dass europäische Abnehmer bewusst größere Mengen einkauften, um die Speicher vor einem geplanten Lieferstopp zum 1. Januar 2027 zu füllen.
Die geplante Einfuhrbeschränkung für russisches LNG ab dem 1. Januar 2027 bezeichnete Nowak als überraschend. Angesichts des signifikanten Defizits und der niedrigen Speicherstände sei ein solches Verbot wirtschaftlich nicht nachvollziehbar. Er warf europäischen Entscheidungsträgern vor, sich mit dieser Politik selbst zu schaden.
Nowak hatte bereits in der Vergangenheit wiederholt betont, dass Russland bereit sei, seine Energielieferungen nach Europa fortzusetzen. Die tatsächlichen Exporte richten sich jedoch nach den politischen Rahmenbedingungen und den bestehenden Sanktionsregimen. Die Europäische Union arbeitet derzeit an einem schrittweisen Ausstieg aus der Abhängigkeit von russischen Energielieferungen.