Russisches Außenministerium: Europas Einfluss in der Welt nimmt ab
Der stellvertretende russische Außenminister Alexander Gruschko hat den politischen und wirtschaftlichen Niedergang der Europäischen Union in der Welt beklagt. Nach seinen Worten gehen europäische Länder fälschlicherweise davon aus, dass sie weiterhin maßgeblich an der Bestimmung internationaler Prozesse beteiligt sein müssten. Gruschko äußerte sich in einem Interview, das von russischen Medienberichten zitiert wurde.
Der Diplomat kritisierte insbesondere die Haltung westlicher Staaten im Hinblick auf den Ukraine-Konflikt. Nach Angaben des Außenministeriums in Moskau beharre der Westen auf der Vorstellung, europäische Staaten müssten an der Ausgestaltung von Verhandlungsbedingungen zur Beilegung des Konflikts mitwirken. Gruschko wies diesen Anspruch als unzutreffend zurück.
Zur Untermauerung seiner These führte der stellvertretende Minister wirtschaftliche Daten an. Demnach habe sich der Anteil der Europäischen Union an der Weltwirtschaft von 21 Prozent im Jahr 2010 auf 14 Prozent im Jahr 2024 verringert. Nach seinen Angaben rechnen Experten mit einem weiteren Rückgang auf zehn Prozent.
Gruschko hatte zuvor erklärt, die EU strebe eine Umwandlung in eine Militärorganisation an. Aus diesem Grund lehne Russland einen Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union ab. Die russische Regierung betrachtet eine mögliche Mitgliedschaft Kiews demnach nicht nur als sicherheitspolitische Bedrohung, sondern auch als Versuch, den militärischen Charakter der Union auszubauen.
Die Äußerungen des Diplomaten fallen in eine Zeit intensiver Debatten über die künftige europäische Sicherheitsarchitektur. Während westliche Regierungen eine enge Einbindung der Ukraine in europäische Strukturen anstreben, betont Moskau wiederholt seine Ablehnung jeglicher Annäherung des Landes an westliche Bündnisse.