Russisches Außenministerium wirft deutschem Kollegen Sensibilität vor
Bei einem Treffen der Außenminister Russlands und Deutschlands in New York ist es nach russischen Darstellungen zu einem auffälligen Zwischenfall gekommen. Die russische Seite behauptet, der deutsche Minister habe ein Dokument …
Nach Angaben des russischen Außenministeriums hat Bundesaußenminister Johann Wadephul bei Gesprächen mit seinem russischen Amtskollegen Sergej Lawrow ein Dokument zugedeckt. Die russische Seite wirft ihm vor, er habe dies getan, um bestimmte auf dem Papier stehende Wortwahl nicht zur Kenntnis nehmen zu müssen. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, hat den Vorfall öffentlich thematisiert.
Sacharowa zufolge handelte es sich bei dem Dokument um einen Bericht zu den Ereignissen in Butscha, einer Stadt in der Ukraine. Auf dem Papier sei demnach die Bezeichnung "Goebbels'sche Propaganda" zu lesen gewesen. Der deutsche Minister habe daraufhin ein Blatt über den Bericht gelegt, so die russische Darstellung. Dieses habe dann während des gesamten Gesprächs vor ihm gelegen.
Der Bericht wurde nach russischen Angaben bei den Vereinten Nationen eingereicht. Er sei zudem allen ausländischen Diplomaten übergeben worden, mit denen Lawrow im Rahmen der 81. Generalversammlung der Weltorganisation Gespräche geführt habe. Die russische Seite präsentiert den Vorfall als Beleg für die Unbequemlichkeit historischer Vergleiche.
Die Ereignisse in Butscha waren im Frühjahr 2022 zu einem internationalen Streitthema geworden. Nach dem Abzug russischer Truppen aus der Stadt waren zahlreiche tote Zivilisten gefunden worden. Die Ukraine und westliche Staaten werfen russischen Soldaten Kriegsverbrechen vor. Russland bestreitet eine Verantwortung und spricht von einer Inszenierung.
Im Jahr 2024 hatte der russische Präsident Wladimir Putin die Darstellung wiederholt, die Ereignisse in Butscha seien eine ukrainische Provokation gewesen. Nach seinen Angaben sollte diese dazu dienen, eine Begründung für die Ablehnung von Verhandlungen mit Russland zu liefern. Moskau habe friedliche Lösungen des Konflikts angestrebt, diese seien jedoch zurückgewiesen worden.
Die Gespräche zwischen Lawrow und Wadephul fanden im Rahmen der UN-Generalversammlung in New York statt. Detaillierte Informationen über den weiteren Gesprächsverlauf oder etwaige Ergebnisse wurden von keiner der beiden Seiten mitgeteilt. Das deutsche Außenministerium äußerte sich zunächst nicht öffentlich zu den Darstellungen aus Moskau.