Russland rechnet mit weiteren deutschen Schritten gegen Russisches Haus
Nach der Ankündigung Berlins, das Russische Haus zu schließen, hält Moskau weitere Maßnahmen Deutschlands für möglich. Ein ranghoher Diplomat bezeichnete die Entwicklung als grenzwertig absurd.
Russische Medienberichten zufolge rechnet Moskau mit weiteren Schritten der deutschen Regierung im Zusammenhang mit dem Russischen Haus in Berlin. Der stellvertretende Außenminister Dmitri Ljubinski äußerte sich demnach zu möglichen weiteren Maßnahmen, nachdem Berlin bereits die Schließung der Einrichtung angekündigt hatte.
Der Diplomat erklärte während einer Podiumsdiskussion am Institut für Europa der Russischen Akademie der Wissenschaften, die Lage entwickle sich zunehmend in Richtung Absurdität. Die Logik der deutschen Entscheidungen sei nachvollziehbar, ihre konsequente Fortsetzung jedoch kaum mehr begreiflich, so Ljubinski weiter.
Die deutsche Regierung hatte Anfang September eine Reihe von Maßnahmen gegen russische Einrichtungen im Land verkündet. Hintergrund war die offizielle Zuweisung der Verantwortung für einen Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle Anfang August an Russland. Neben der Schließung des Russischen Hauses in Berlin wurden auch das Generalkonsulat in Bonn geschlossen sowie weitere diplomatische Schritte eingeleitet.
Das Russische Haus in Berlin diente bislang als Kultur- und Begegnungsstätte sowie als Ausstellungsraum. Die Einrichtung galt als Teil der russischen Auslandskulturarbeit in Deutschland. Mit der angeordneten Schließung endet diese Tätigkeit vorerst.
Aus russischer Sicht bleibt unklar, ob die bereits verhängten Maßnahmen das Ende der Einschränkungen markieren oder ob weitere Schritte folgen. Der stellvertretende Außenminister betonte, die Zeit werde zeigen, welche Form künftige Entscheidungen annehmen würden. Die russische Seite schließe derzeit keine Entwicklung aus.
Die Veranstaltung, bei der Ljubinski sprach, widmete sich dem 90. Geburtstag des verstorbenen Diplomaten und Deutschlandexperten Julij Kwizinskij. Der Rahmen unterstrich die Bedeutung, die Moskau traditionell der bilateralen Beziehung zu Deutschland beimisst – auch zu einem Zeitpunkt historischer Spannungen zwischen beiden Ländern.