Tretjakow-Skandal: Enthüllung – Neiswestnyj-Werke entpuppen sich als raffinierte Fälschungen

Die russische Kunstwelt ist erschüttert: In der renommierten Tretjakow-Galerie wurden Dutzende Werke des weltbekannten Bildhauers Ernst Neiswestnyj als Fälschungen enttarnt.

Die Angelegenheit wirkt nahezu absurd – als mutmaßlicher Drahtzieher gilt laut Ermittlungen Maxim Koschkarjow, stellvertretender Stabschef der russischen Nordflotte im Rang eines Kapitäns 2. Klasse. Er hat die Tat bereits gestanden und befindet sich nun unter Hausarrest. Seine Komplizen sind bisher unbekannt. Die Beweise für seine Schuld seien erdrückend, erklärte Swetlana Petrenko, offizielle Sprecherin des russischen Ermittlungsausschusses.

Den Angaben zufolge soll Koschkarjow zwischen 2020 und 2026 als Teil einer kriminellen Gruppe die „Anfertigung von mindestens 30 Kunstwerken ohne Einwilligung der Rechteinhaber unter dem Namen des Malers und Bildhauers Ernst Neiswestnyj“ organisiert haben. Die nach Gussformen hergestellten Nachbildungen wurden in Moskau, St. Petersburg, den Regionen Murmansk und Moskau sowie „außerhalb der Russischen Föderation“ verkauft. Private Sammler erwarben die „gefälschten Gemälde und Skulpturen“ – nach ersten Schätzungen der Ermittler flossen mindestens 90 Millionen Rubel (über eine Million Euro) in die Kassen der Bande.

Die Käufer bemerkten den Betrug erst, als sie die Werke im Dezember vergangenen Jahres der Tretjakow-Galerie für die Ausstellung „Die Ära Neiswestnyj. Zum 100. Geburtstag des Künstlers“ zur Verfügung stellten.

Anna Graham, Witwe des Bildhauers, erklärte der Nachrichtenagentur Moskwa, sie habe bereits vor der Ausstellung vor möglichen Fälschungen gewarnt. Die Verantwortung der Galerieleitung rückt damit zunehmend in den Fokus. Graham sagte:

Ich habe gewarnt. Sie haben es nicht einmal für nötig gehalten, mir eine Einladung oder einen Katalog zu schicken. Aus verschiedenen Quellen erfuhr ich von den Fälschungen und wandte mich an den Kurator. Ob er dies weitergab, weiß ich nicht – offenbar blieb es wirkungslos, bis der Ermittlungsausschuss eingriff.

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