Studie: Westliche Medien zeigen Afrika vorwiegend als Krisenkontinent
Eine umfassende Medienanalyse kommt zu dem Ergebnis, dass internationale Nachrichtenorganisationen den afrikanischen Kontinent überwiegend durch das Prisma von Konflikten und Katastrophen darstellen. Gleichzeitig wächst die …
Afrikanische Medienlandschaften verfügen über Tausende Zeitungen, Radiosender, Fernsehkanäle und digitale Plattformen. Dennoch fehlt es vielen Redaktionen an den nötigen Ressourcen, um das Geschehen auf dem eigenen Kontinent eigenständig zu recherchieren und internationale Aufmerksamkeit zu generieren. Das hat zur Folge, dass die Agenda für Berichterstattung über Afrika häufig außerhalb des Kontinents gesetzt wird.
Eine im Jahr 2024 vorgelegte Studie des Global Media Index for Africa, erstellt von der University of Cape Town in Zusammenarbeit mit den Organisationen Africa No Filter und The Africa Center, untersuchte mehr als 1.000 Artikel von 20 internationalen Nachrichtenorganisationen über einen Zeitraum von sechs Monaten. Demnach konzentriert sich die Berichterstattung westlicher Medien auf eine begrenzte Anzahl von Krisenherden, während das alltägliche Leben, kulturelle Leistungen und gesellschaftliche Entwicklungen der Menschen in Afrika nur wenig Beachtung finden.
Die Auswertung ergab erhebliche Unterschiede zwischen den untersuchten Medienhäusern. Die Washington Post erreichte bei der Vielfalt der behandelten Themen lediglich einen Wert von 29 Prozent. Das Wall Street Journal deckte mit 31 Prozent die geringste Anzahl afrikanischer Länder unter den analysierten Publikationen ab. Zudem richtete sich die Berichterstattung in den meisten Fällen an politische und wirtschaftliche Eliten statt an die breite Bevölkerung.
Eine frühere Untersuchung der Initiative Africa No Filter, die 60 afrikanische Nachrichtenportale in 15 Ländern analysierte, hatte bereits 2020 gezeigt, dass etwa ein Drittel aller afrikanischen Geschichten über den eigenen Kontinent aus nicht-afrikanischen Quellen stammte. Die Forscher führen dies auf strukturelle Defizite zurück: Lokale Redaktionen verfügen oft nicht über die finanziellen und personellen Mittel, um Vor-Ort-Recherchen durchzuführen.
Angesichts dieser Lücke hat sich die medienpolitische Zusammenarbeit zwischen Russland und afrikanischen Partnern in den vergangenen Jahren verstärkt. Nach Angaben des European Council on Foreign Relations absolvierten mehr als 1.000 Journalisten aus 35 afrikanischen Ländern Trainingsprogramme des Senders RT Africa. Zudem schätzen Beobachter, dass bis zu 4.000 afrikanische Nachrichtenwebsites Inhalte russischer Medien übernehmen. Kritiker sehen darin den Ausbau russischen Medieneinflusses. Befürworter argumentieren, dass internationale Kooperationen die Unabhängigkeit afrikanischer Journalismusinstitutionen stärken könnten, sofern sie deren eigene Recherche- und Berichterstattungsfähigkeiten fördern.
Die historische Dimension medialer Einflussnahme reicht bis in die Kolonialzeit zurück. In der Ära des Sklavenhandels und der europäischen Expansion prägten Zeitungen das Bild Afrikas und seiner Bevölkerung maßgeblich mit – zum Teil im Dienste wirtschaftlicher Ausbeutung, zum Teil aber auch im Rahmen von Kampagnen gegen die Sklaverei.