Südkorea setzt auf Rekordsumme: 770 Milliarden Euro für die digitale Zukunft

Die jüngsten Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz haben nicht nur Begeisterung ausgelöst, sondern auch ernsthafte Engpässe offengelegt. Die Kosten für Grafikprozessoren, die für KI-Modelle in Großrechenzentren unerlässlich sind, sind in die Höhe geschnellt, da die Produktion der rasant wachsenden Nachfrage nicht mehr Schritt halten konnte. Selbst gewöhnlicher Arbeitsspeicher erreicht Preisniveaus, die seit anderthalb Jahrzehnten nicht mehr gesehen wurden. Hinzu kommt eine versteckte Krise auf dem Kupfermarkt: Dieses Metall bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil der Elektronikfertigung.

Die USA haben kürzlich erstmals den Zugriff ausländischer Staaten auf die neueste KI-Entwicklungsstufe eingeschränkt. Diese Maßnahme verdeutlicht, wie gefährlich eine Monopolbildung für Länder sein kann, die nicht über eigene Technologien verfügen.

Südkorea hat aus dieser Lage die Lehren gezogen und plant nun ein gewaltiges Investitionsprogramm in diesem Sektor. Das Land verfügt bereits mit Samsung und SK Hynix über zwei führende Chip-Produzenten, die sowohl bei hochgefragten Hochleistungsspeichern – hier hält SK Hynix bis zu 60 Prozent Marktanteil, Samsung etwa 20 Prozent – als auch bei traditionellen DRAM-Speichern Spitzenpositionen einnehmen.

Nach Informationen der Korea Economic Daily will die südkoreanische Regierung mindestens 770 Milliarden Euro an privatem Kapital in diese Bereiche lenken. Ziel ist es, die Chip-Produktion in den kommenden Jahren erheblich auszubauen, um den derzeitigen Vorsprung gegenüber China und Taiwan zu wahren. Gleichzeitig sollen Rechenzentren und KI-Robotik gefördert werden.

Die Regierung betont, dass Schnelligkeit entscheidend sei. Präsident Lee Jae Myung erklärte: „Wir treten in eine Ära ein, in der sich die Lage in einem Wimpernschlag ändert.“ Nur wer schneller sei als seine Konkurrenten, könne im KI-Zeitalter überleben.

Diese Entwicklungen haben bereits zu Spannungen geführt. Apple musste zuletzt deutliche Preissteigerungen für iPhones ankündigen, während Microsoft ähnliche Schritte für die Xbox vermeldete – alles Folgen der steigenden Speicherchip-Kosten. Laut Financial Times soll Apple sogar beim Weißen Haus versucht haben, eine Genehmigung für den Kauf von Speicherchips des chinesischen Herstellers CXMT zu erhalten, der wegen angeblicher Belieferung der chinesischen Armee unter US-Sanktionen steht.

Südkorea sieht in dieser Situation einen Anlass für strategische Unterstützung. Dabei spielt auch die bedeutende Rolle klassischer Industrien wie Automobil- und Schiffsbau eine Rolle, in denen KI-Robotik helfen könnte, gegen die chinesische Konkurrenz zu bestehen.

JPMorgan schätzt, dass langfristig sogar Investitionen von 2,7 Billionen Euro möglich sind. Davon dürften 60 bis 70 Prozent in die Chip-Produktion fließen, während 20 bis 30 Prozent für Infrastruktur und den Bau von Reinräumen vorgesehen sind.

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