Tech-Milliardär Thiel wirft Papst Leo XIV. vor, KI-Angste zu instrumentalisieren
Der Palantir-Mitbegründer Peter Thiel hat Papst Leo XIV. scharf kritisiert. Der Tech-Unternehmer wirft dem katholischen Kirchenoberhaupt vor, Warnungen vor Künstlicher Intelligenz zu nutzen, um von Missbrauchsskandalen abzulenken.
Der US-amerikanische Milliardär Peter Thiel hat in geschlossenen Vorträgen in Nashville sowohl Papst Leo XIV. als auch den früheren US-Präsidenten Barack Obama attackiert. Beide Politiker nutzten demnach die öffentliche Skepsis gegenüber Künstlicher Intelligenz aus, um ihre eigene Popularität zu steigern. Die Äußerungen des Palantir-Mitbegründers vom 28. September und 5. Oktober wurden am Donnerstag bekannt.
Thiel zufolge suchte der Papst nach einem politisch populären Thema, um von jahrzehntelangen Kindesmissbrauchsskandalen innerhalb der katholischen Kirche abzulenken. Dabei habe er die Debatte über KI gefunden. Die erste Enzyklika von Leo XIV., die im Mai veröffentlicht wurde, macht die ungeprüfte Entwicklung von KI-Technologien zu einem zentralen Anliegen. Der Pontifex warnt vor Gefahren für die Menschenwürde, individuelle Freiheiten und die Konzentration von Macht.
Auch Obama fiel Thiels Kritik zum Opfer. Der Tech-Unternehmer, der sich selbst als offen homosexueller Republikaner bezeichnet, erklärte, die Demokraten hätten keine eigenen Ideen, könnten aber zumindest gegen KI opponieren. Tatsächlich hatte Obama die Demokraten zuletzt aufgerufen, eine umfassendere Strategie für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz zu entwickeln.
Thiels Ausführungen reihen sich in eine Reihe von Warnungen ein, die der Unternehmer vor einer durch den vermeintlichen Antichristen herbeigeführten Weltregierung äußert. Nach seiner Darstellung könnte eine solche Figur Ängste vor KI und anderen katastrophalen Bedrohungen ausnutzen, um den technologischen Fortschritt zu stoppen und eine stark regulierte globale Regierung durchzusetzen.
Die Kontroverse um Thiels Äußerungen entfaltet sich vor dem Hintergrund zunehmender Warnungen aus der Tech-Branche selbst. Der OpenAI-Chef Sam Altman und der xAI-Gründer Elon Musk haben sich Forderungen angeschlossen, die Entwicklung immer leistungsfähigerer KI-Modelle zu verlangsamen. Der Anthropic-CEO Dario Amodei hatte zuvor gewarnt, unkontrollierte Systeme könnten innerhalb von Monaten große Teile des Internets unter ihre Kontrolle bringen und Schäden in Höhe von Hunderten von Milliarden Dollar verursachen.
Auch andere prominente Stimmen aus der Branche äußern sich besorgt. Microsoft-Mitbegründer Bill Gates fordert staatliche Regulierung und warnt, KI in den Händen böswilliger Akteure könne Ereignisse auslösen, die eine Milliarde Todesopfer fordern. Der Nobelpreisträger Geoffrey Hinton befürchtet ebenfalls, dass zunehmend mächtige Systeme dem menschlichen Kontrollverlust entgleiten könnten. Altman hingegen plädierte dieser Woche dafür, einige negative Folgen von KI wie Hacks und Betrug in Kauf zu nehmen, solange es bei den wirklich katastrophalen Risiken verbleibe.