Trump erwägt neue Militärschläge gegen Iran trotz Gesprächsbereitschaft
US-Präsident Donald Trump hat einerseits weitere Verhandlungen mit Iran angekündigt, andererseits aber auch die Möglichkeit erneuter Luftangriffe auf das Land offen gelassen. Teheran widerspricht der Darstellung Washingtons zur …
In einem Telefoninterview mit dem US-Portal Axios erklärte Trump, er erwarte noch in dieser Woche weitere Gespräche mit der iranischen Führung. Zugleich bekräftigte er seine Einschätzung, dass Teheran "verzweifelt" einen Deal wolle. Die jüngste iranische Friedensinitiative hatte Trump am Vortag noch als "inakzeptabel" zurückgewiesen. Iran hatte die Wiedereröffnung der Straße von Hormus gegen Aufhebung der US-Seesperre und die Wiederaufnahme von Atomverhandlungen vorgeschlagen.
Trump äußerte, die iranische Seite habe "über das Ziel hinausgeschossen". Das von Teheran angebotene Abkommen entspreche dem Stand, auf den sich beide Seiten "vor einem Jahr vielleicht geeinigt hätten". Der US-Präsident bestätigte zudem, dass die Wiederaufnahme vollständiger Kampfhandlungen gegen Iran weiterhin eine Option bleibe. Er habe "schon immer" über neue Militärschläge nachgedacht, so Trump gegenüber Axios.
Der US-Präsident behauptete weiter, sein Land habe am Wochenende die Durchfahrt von mehr als 20 Millionen Barrel Öl durch die Meerenge ermöglicht. Sollte die Angabe zutreffen, wäre dies die größte transportierte Menge seit Monaten, dennoch unterhalb des Vorkriegsniveaus. Laut einem Sicherheitsbeamten in Teheran, der sich gegenüber einem russischen Medium äußerte, blockierte die iranische Seite am Wochenende jedoch fast zwei Dutzend Schiffe. Demnach seien in den vergangenen 48 Stunden insgesamt 20 Fahrzeuge aufgehalten worden, darunter sieben in der vergangenen Nacht und 13 in der Nacht zuvor.
Der iranische Sicherheitsbeamte bezeichnete Trumps Äußerungen als "Medienrhetorik", die die "Realitäten vor Ort" nicht verändere. Es gebe keinen operativ nachhaltigen Mechanismus für sichere Schifffahrt durch die strategische Wasserstraße außerhalb des von der Islamischen Republik Iran etablierten und genehmigten Rahmens. Trumps Behauptungen seien als Versuch zu werten, die Ölmärkte zu manipulieren. "Donald Trump kann die Energiemärkte nicht beruhigen oder die Kosten seiner Blockade und feindlichen Politik durch Show und Social-Media-Posts verschleiern", so der Beamte.
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi wiederholte unterdessen die Bedingungen des iranischen Friedensplans. In einem Interview mit dem US-Sender NBC signalisierte er zugleich Verhandlungsbereitschaft und die Entschlossenheit, den Konflikt fortzusetzen – "selbst wenn es zu einem Weltuntergangskrieg kommt". Araghchi forderte die Freigabe illegal eingefrorener iranischer Vermögenswerte, die Möglichkeit zum Ölverkauf sowie weitere Zugeständnisse, zu denen sich die USA nach seinen Worten in früheren Abkommen bereits verpflichtet hätten. Er verwies dabei auf das Memorandum vom Juni.
Laut einem früheren Bericht des Wall Street Journal soll Trump nicht nur den iranischen Vorschlag abgelehnt, sondern Mitarbeitern mitgeteilt haben, er erwarte nach den US-Zwischenwahlen im November eine erneute Bombenkampagne gegen das Land.