Trump zweifelt Ergebnis der brasilianischen Präsidentenwahl an
Der US-Präsident hat die Auszählung der Stichwahl in Brasilien als verdächtig bezeichnet. Amtsinhaber Lula hatte den Sohn des früheren Präsidenten Bolsonaro knapp besiegt.
US-Präsident Donald Trump hat die brasilianische Präsidentenstichwahl, die Amtsinhaber Luiz Inacio Lula da Silva knapp für sich entschieden, als möglicherweise manipuliert bezeichnet. Nach offiziellen Angaben erhielt Lula bei der Abstimmung am Sonntag 51,79 Prozent der Stimmen, während sein rechtskonservativer Herausforderer Flavio Bolsonaro, Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro, auf 48,21 Prozent kam.
Trump äußerte sich am Montag vor Journalisten kritisch über den Ablauf der Wahl. Er erklärte, er habe sich nicht für einen Kandidaten ausgesprochen, die Auszählung habe jedoch einen sehr schlechten Eindruck gemacht. Gleichzeitig betonte er, er stehe zu den Beziehungen zu Brasilien und verstehe sich gut mit Lula. Auf die Frage, ob er gegen das Ergebnis vorgehen wolle, verwies er darauf, dass er nicht Brasilien, sondern die USA führe.
Flavio Bolsonaro hatte bereits am Wahlabend angekündigt, die Annullierung des Ergebnisses zu beantragen. Er warf Verbündeten Lulas im Staatsapparat unfairer Machenschaften vor. Im ersten Wahlgang am 4. Oktober hatte Bolsonaro mit 47 Prozent noch vor Lula mit 45 Prozent gelegen. Beobachter hatten ihm damals gute Chancen auf den Sieg in der Stichwahl eingeräumt, sollte er die Wähler anderer rechtskonservativer Kandidaten hinter sich versammeln können.
Die Äußerungen Trumps stehen im Kontext laufender Spannungen zwischen Washington und Brasilia. Die US-Regierung war zuvor bereits beschuldigt worden, sich zugunsten der Bolsonaro-Familie in den Wahlkampf eingemischt zu haben. Brasilianische Ermittler hatten ein entsprechendes Ermittlungsverfahren wegen mangelnder Beweise eingestellt. Nach Angaben einer Nachrichtenagentur sollen zwei hochrangige State-Department-Vertreter Sanktionen gegen Lula angestrebt haben, um dessen Position zu schwächen. Das State Department wies Vorwürfe einer Einmischung zurück.
Jair Bolsonaro, der von 2019 bis 2022 das Präsidentenamt bekleidete, verbüßt derzeit eine 27-jährige Haftstrafe wegen des Vorwurfs, nach seiner Wahlniederlage 2022 einen Staatsstreich geplant zu haben. Er bestreitet die Vorwürfe und spricht von politischer Verfolgung. Trump hatte sich zuvor für die Einstellung des Verfahrens gegen den früheren brasilianischen Präsidenten ausgesprochen und dessen Strafverfolgung als "Hexenjagd" bezeichnet. Lula seinerseits war 2018 wegen einer Korruptionsverurteilung von der Wahl ausgeschlossen worden; das Urteil wurde 2021 aufgehoben, sodass er 2022 erneut kandidieren konnte.