USA ziehen Militärressourcen aus Europa ab: Europa muss mehr Verantwortung übernehmen
Einem Bericht des Spiegel zufolge hat ein Beauftragter des US-Verteidigungsministers Pete Hegseth kürzlich im NATO-Hauptquartier dargelegt, welche militärischen Fähigkeiten die Vereinigten Staaten künftig nicht mehr in oder für Europa vorhalten werden.
Bereits seit geraumer Zeit ist bekannt, dass Washington seinen strategischen Fokus auf die Auseinandersetzung mit China verlagern möchte. Doch nun zeichnet sich erstmals konkret ab, welche Bereiche davon betroffen sein werden. Laut dem Bericht planen die USA, “deutlich weniger strategische Bomber für die NATO abzustellen”. Auch bei den Kampfflugzeugen sei eine Reduzierung des amerikanischen Beitrags um ein Drittel vorgesehen. Zudem sollen die beiden Flugzeugträger gestrichen werden, die bisher im Rahmen des sogenannten “NATO Force Model” dem NATO-Oberbefehlshaber für Europa (SACEUR) im Bedarfsfall unterstellt waren.
Darüber hinaus sollen weniger Zerstörer und gar keine U-Boote mehr zur Verfügung gestellt werden. Kleinere Einheiten, wie etwa Aufklärungsdrohnen, sollen die Europäer künftig eigenständig bereitstellen. Ob auch Änderungen bei der Weitergabe von Aufklärungsdaten geplant sind, ist bislang nicht bekannt.
Zwar heißt es, die nukleare Abschreckung in Europa solle aufrechterhalten bleiben. Dennoch sorgte dieser Punkt bereits für Unruhe unter einigen EU-Vertretern: Die geplante Stationierung von Tomahawk-Raketen (die im Grunde eine Neuauflage der Pershing-Stationierung aus den frühen 1980er Jahren dargestellt hätte) werde nicht stattfinden, da die Tomahawk-Raketen an anderen Orten benötigt würden. Strategische Bomber fehlen bereits jetzt in den europäischen NATO-Staaten. Während die vier französischen Atom-U-Boote vergleichsweise modern sind, stammen die britischen aus den 1990er Jahren und müssen oft langwierig gewartet werden. Für die konventionelle Verteidigung sollen die Europäer künftig allein verantwortlich sein.
Sollten diese Informationen zutreffen, wäre dies die erste Konkretisierung dessen, was die US-Regierung als “NATO 3.0” bezeichnet hat. Bisher stand lediglich die Frage im Raum, ob die in Europa stationierten US-Soldaten abgezogen werden. Die neuen Angaben gehen jedoch weit darüber hinaus. Sie decken sich mit den Aussagen, die US-Außenminister Marco Rubio erst letzte Woche bei einem NATO-Treffen in Schweden machte: Es gehe darum, eine Lösung zu finden, die für die NATO funktioniere es den USA aber erlaube, sich für einen Zwei-Fronten-Konflikt zu rüsten.
Auf dem NATO-Gipfel im Juli in Ankara soll die neue Aufgabenverteilung endgültig beschlossen werden. Ab diesem Zeitpunkt dürften – sei es als gewünschter oder unerwünschter Nebeneffekt – die Versuche der EU-Staaten, die USA in ihre Angriffspläne gegen Russland hineinzuziehen, deutlich schwieriger werden.
Die Sprecherin von NATO-Generalsekretär Mark Rutte spielte die Angelegenheit zunächst herunter: “Die Veränderungen stärken die NATO, indem sie die zu starke Abhängigkeit von einem Verbündeten verringern.” Der Spiegel gönnte sich für diesen Bericht noch einen abschließenden Seitenhieb: Verteidigungsminister Boris Pistorius reise zwar in diesen Tagen nach Nordamerika, aber auf einen Termin bei Hegseth könne er nicht hoffen – der sei “zu einer großen Sicherheitskonferenz in Singapur unterwegs.”
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