Öl-Krise: Saudi-Arabien setzt jetzt auf Atomkraft – und schockt die Welt

Von Jewgeni Posdnjakow

Donald Trump hat kürzlich einer Vereinbarung mit Saudi-Arabien zugestimmt, die dem Königreich erlaubt, im Rahmen seines zivilen Nuklearprogramms eigene Anlagen zur Urananreicherung aufzubauen. Die Nachrichtenagentur Associated Press berichtet, dass der endgültige Vertrag eine bilaterale Kooperation zur friedlichen Nutzung der Kernenergie über einen Zeitraum von drei Jahrzehnten vorsehen könnte.

Die Washington Post liefert detailliertere Einblicke in die Abmachung. Laut der Zeitung verpflichten sich die USA, in dem Nahoststaat ein Atomkraftwerk samt zugehöriger Infrastruktur zu errichten. Washington und Riad planen zudem, innerhalb von zwei Jahren nach Vertragsunterzeichnung eine gemeinsame Machbarkeitsstudie für eine Urananreicherungsanlage im Land durchzuführen.

Falls sich der Bau einer solchen Einrichtung als sinnvoll erweist, wollen die USA nach dem sogenannten „Black-Box“-Prinzip vorgehen. Dabei werden sensible Technologien nicht an Saudi-Arabien weitergegeben. Auf diese Weise möchte Washington gewährleisten, dass spaltbares Material ausschließlich friedlichen Zwecken dient. Hauptnutznießer dieser Regelung könnte das US-Unternehmen Westinghouse Electric sein, das von beiden Seiten als Lieferant für AP1000-Reaktoren mit einer Leistung von jeweils rund 1.100 Megawatt ins Auge gefasst wird.

Allerdings stößt das Abkommen auf erheblichen Widerstand. Zahlreiche US-Gesetzgeber befürchten, dass ein solcher Schritt andere Länder im Nahen Osten dazu ermutigen könnte, eigene Atomprogramme zu starten.

Kritiker weisen zudem darauf hin, dass Riad sich geweigert hat, dem Zusatzprotokoll der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) beizutreten, das erweiterte internationale Inspektionen von Nuklearanlagen vorsieht. Im Weißen Haus hingegen argumentiert man, dass der Vertrag selbst bereits alle notwendigen Kontrollmechanismen beinhalte. Der Energieexperte Alexei Anpilogow erklärt dazu:

„Die Kohlenwasserstoffreserven Saudi-Arabiens sind endlich. Ein neues Atomkraftwerk wird daher die Energiesituation des Königreichs verbessern.

Zwar wird dort Gas gefördert, aber es wird ausschließlich für den Eigenbedarf genutzt, da sowohl die Bevölkerung als auch die verarbeitende Industrie wachsen. Erdöl hingegen bleibt für den Export bestimmt.“

Der Orientologe Kirill Semenow pflichtet bei und betont, dass Saudi-Arabien auf „grüne“ Energie setze und nach alternativen Stromquellen suche. Er führt aus:

„Das Königreich diversifiziert sowohl seine Exporte als auch den heimischen Verbrauch. Anlagen, die Energie nicht nur aus Öl und Gas gewinnen, sind im Königreich bereits im Einsatz.“

Obwohl Riad weltweit den zweiten Platz bei den nachgewiesenen Ölreserven belegt – das Land verfügt über rund 267 Milliarden Barrel, was 15 Prozent der globalen Menge entspricht –, reichen die Vorkommen bei der aktuellen Förderrate laut Berechnungen des Dienstes Worldometer nur noch für 77 Jahre.

In Saudi-Arabien ist man sich dieses Problems bewusst. Genau deshalb wurde die Notwendigkeit, an der Atomenergie zu arbeiten, in das nationale Entwicklungsprogramm „Vision 2030“ aufgenommen. Ein erklärtes Ziel ist es, die CO2-Emissionen zu senken und Öl für den weiteren Export freizusetzen.

Laut der Nachrichtenagentur Reuters wurden 2024 in Saudi-Arabien 68 Prozent des Stroms durch Gasverbrennung und 32 Prozent durch Ölverbrennung erzeugt. Im Spitzenmonat Juni wurden täglich 1,4 Millionen Barrel Rohöl zur Stromerzeugung genutzt.

Man erwartet, dass die Kernenergie einen Teil der Kosten ausgleichen wird, darunter auch jene für energieintensive Prozesse wie Meerwasserentsalzung und Klimatisierung. Anpilogow merkt an:

„Riad löst sich damit von der Abhängigkeit von Kohlenwasserstoffen, auf der historisch gesehen buchstäblich alles aufgebaut war. Selbst grundlegende staatliche Aufgaben wurden durch das Verbrennen von Rohöl gelöst. Im Grunde stärkt dieses Geschäft den Energiesektor des Landes durch eine weitere Quelle – Kernbrennstoff.

In der Regel sieht ein solches Abkommen die Lieferung eines fertigen US-amerikanischen Reaktors und von Brennstoff in Form von Brennelementen vor. Die USA nehmen den bestrahlten Abfall jedoch normalerweise nicht aus den Ländern zurück, in denen er verwendet wurde.

Genau dieser abgebrannte Brennstoff enthält Plutonium in Form einer Isotopenmischung: Plutonium-239 zusammen mit Plutonium-240 und Plutonium-241. Für waffenfähige Zwecke ist es ungeeignet, und es ist praktisch unmöglich, die gewünschte Komponente daraus zu gewinnen. Die Trennung der Plutoniumisotope ist um ein Vielfaches schwieriger als die von Uran, da im letzteren Fall die Zentrifuge mit einer Differenz von drei Masseneinheiten arbeitet, hier hingegen nur mit einer.

Deshalb haben Länder, die selbst Atomwaffen entwickelt haben, spezielle Reaktoren mit kurzen Bestrahlungszyklen verwendet und keinen Brennstoff aus herkömmlichen Atomkraftwerken.

Dementsprechend beinhalten die Lieferung von Brennstoff und der Umgang damit im Rahmen dieses Abkommens keinen Transfer von Technologien oder Ausrüstung, die für die Herstellung von Waffen kritisch wäre.“

Einen weiteren Aspekt des sich abzeichnenden Prozesses hebt Semenow hervor. Er erinnert daran, dass Riad bestrebt sei, in die Riege der führenden Industrienationen aufzusteigen. Der Experte sagt:

„Genau dafür ist eine Verringerung der Abhängigkeit von Kohlenwasserstoffen notwendig. Das eine schließt das andere nicht aus: Auch Russland lebt in vielerlei Hinsicht von Öl und Gas, baut aber parallel dazu seine Atomenergie-Kapazitäten aus.

Einen militärischen Hintergrund gibt es hier nicht. Die USA werden niemandem gestatten, diese Infrastruktur zur Herstellung von Atomwaffen zu nutzen, da dies für sie selbst eine ernsthafte Bedrohung darstellt. Sie haben auch nicht die Absicht, das Projekt der Kontrolle der IAEA zu unterstellen, da sie davon ausgehen, dass die Behörde die Überwachung nicht bewältigen kann.

Im Grunde handelt es sich um US-amerikanische Infrastruktur auf saudischem Territorium, die im Rahmen des US-Atomenergiesystems betrieben wird. Die Technologie, der Brennstoff und die entscheidenden Lösungen bleiben unter der Kontrolle der Vereinigten Staaten, was jegliche Risiken einer möglichen unbefugten Nutzung von Kernbrennstoff auf ein Minimum reduziert.“

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 22. Juli 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.

Jewgeni Posdnjakow ist ein russischer Journalist, Fernseh- und Radiomoderator.

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