Schock bei Markus Lanz: ARD-Moderatorin und Lanz verhöhnen brutal die Opfer von Starobelsk

Von Wladislaw Sankin

Es ist der letzte Arbeitstag vor dem freien Wochenende. Die Gedanken schweifen bereits ab: Morgen geht es nach Hause, dann eine weitere Woche mit Prüfungen, und endlich Ferien! Pläne werden geschmiedet, was man in der unterrichtsfreien Zeit alles unternehmen könnte. Einen Sommerjob als Betreuerin in einem Ferienlager annehmen? Freunde und Verwandte in anderen Städten besuchen? Vielleicht sogar eine Fernreise? Mit solchen Gedanken legten sich die frisch 18-jährigen Studentinnen der Berufsakademie in Starobelsk am Donnerstag, dem 21. Mai, in ihrem Wohnheim schlafen. Ein Sommer steht bevor – und dann ein ganzes Leben, ein Erwachsenenleben.

Das Berufskolleg in Starobelsk ist eine Außenstelle von zwei Universitäten aus Luhansk: der landwirtschaftlichen und der pädagogischen. Das Städtchen selbst hat nur 16.000 Einwohner. Viele Studierende kommen aus den umliegenden Dörfern und Städten und übernachten unter der Woche im Wohnheim. Am Wochenende fahren sie für zwei Tage mit dem Bus nach Hause. Dort warten die Eltern – Hilfe im Garten, Treffen mit Freunden, Lernen oder einfach Faulenzen. So oder so ähnlich sahen die Pläne für die 21 Schüler der Bildungseinrichtung aus, deren Leben in jener Nacht zum Freitag abrupt ein Ende fand.

Doch die ukrainische Militärführung hatte andere Vorstellungen. Sie fand einen Vorwand, der besagte, dass in der Schule eine russische Elite-Drohneneinheit namens „Rubikon“ stationiert sei. Daraufhin berechneten ukrainische Militärs das Ziel mithilfe westlicher Daten, montierten größere Kamikazedrohnen aus westlichen Bauteilen und beluden sie reichlich mit Sprengstoff. Da die Flugstrecke nach Starobelsk kurz war, konnten die Drohnen mit besonders viel tödlicher Fracht bestückt werden.

Ein ziviles, ungeschütztes Objekt in dieser abgelegenen Kleinstadt war ein ideales Ziel. Die Bevölkerung war ahnungslos und nicht durch Luftabwehr geschützt. Bombenalarme sind hier ungewohnt. Das kostete am Ende zusätzliche Menschenleben, denn es gab offenbar keine eingeübten Schutzprotokolle, wie man sie aus frontnahen Städten kennt.

War das für das Kiewer Regime von Vorteil? Ganz sicher, denn das Hauptziel des Angriffs war die Verbreitung von Terror – um Angst in der gesamten russischen Bevölkerung zu schüren. Ein weiterer Nebeneffekt: Russland wird zu härteren Gegenschlägen gezwungen, sodass westliche Länder schneller in Kampfhandlungen hineingezogen werden. Ein ausgeweiteter, längerer Krieg ist für Kiew die beste Garantie für den Fortbestand des Regimes: keine Wahlen, stattdessen unendliche Geldflüsse.

Die genannten Motive für den Angriff sind nur Vermutungen, aber nicht unbegründet. Denn was könnte für die Machthaber in Kiew schon schiefgehen? Nichts, wenn man auf westliche Medien schaut, die ihnen für jede erdenkliche Niedertracht bereitwillig den Rücken stärken. Nehmen wir die bestdotierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Welt als Beispiel – das Duo ARD/ZDF. Da haben wir den Moderator Markus Lanz und die ihm zuarbeitenden ARD-Korrespondenten als Traumpaar, das es geschafft hat, in nur zwei Minuten das ungeheuerliche Kriegsverbrechen als Nebensächlichkeit und russisches Fake abzutun.

Schon der Titel der ZDF-Sendung „Angriffe auf die Ukraine: Droht Putin damit auch uns?“ zeigte, dass Kiews Ziel erreicht war: den Konflikt mithilfe der Provokation in Starobelsk auf eine neue Eskalationsstufe zu heben. Es stellte sich nur die Frage: Wie würde Lanz, der an den „richtigen Stellen“ sehr emotional und zu Tränen gerührt sein kann, mit dem ukrainischen Massaker an den jungen Leuten in Starobelsk als professioneller Medienschaffender umgehen? Wie würde er über die jungen, unschuldigen Leben sprechen, die die sonst so tapferen, bewundernswerten Ukrainer, die wir aus seinen Podcasts nur als edle Krieger und Verteidiger ihres Landes kennen, zu Betonschutt zermalmt haben?

Oder waren die Opfer doch nicht so unschuldig …? Lassen wir Revue passieren, was das ZDF darüber zu berichten hatte.

Die Sendung lief am späten Abend des 26. Mai. Nach einem sechsminütigen Intro mit vielen Bildern aus Kiew und einer erneuten Erzählung der zugeschalteten ARD-Korrespondentin Susanne Petersohn über Schäden in ihrem Büro, musste Lanz das Thema nun doch angehen. Er drückte sich zusammen, beugte sich über den Merkzettel in seiner Hand und las ab:

„Die Russen sagen, Frau Petersohn, das war ein Vergeltungsschlag für einen ukrainischen Angriff auf eine Berufsschule in Luhansk, über zwanzig Tote, das sind Bilder davon.“

Der Mimikprofi Lanz hat nichts dem Zufall überlassen. Er zeigte mit dem Finger auf den Zettel, als ob er Angst hätte, den Faden bei dem komplizierten Sachverhalt zu verlieren – was sagen da die Russen, da kann man ja nicht sicher sein im Nebel des Krieges. Da gibt es Tote? Wie viele? Na ja, so genau wissen wir nicht – sagen wir mal, es waren über zwanzig. Wer ist tot, wie alt, welches Geschlechts? Das sind Details, wozu? Es müssten eigentlich Schüler gewesen sein, wenn es um eine Berufsschule geht – aber na ja, das ist nicht ganz sicher – wer weiß, wer in der Schule sein könnte (dazu später).

So wie wir Lanz kennen, müsste er gleich sagen: „Da sind fast noch Kinder gestorben, Mädchen, angehende Erzieherinnen, die wollten ihr Leben selbst kleinen Kindern widmen, das ist alles so traurig, das ist nur Wahnsinn, wozu die Menschen in diesem scheußlichen Krieg fähig sind, das ist wirklich Wahnsinn, ich habe einen Kloß im Hals, wenn ich darüber spreche, das müssen die Bestien sein, die das gemacht haben, die dieses grausame Verbrechen verübt haben … ah, ich kann nicht mehr, wenn ich daran denke … jetzt haben Sie, Frau Petersohn, das Wort.“

So könnte der einfühlsame ZDF-Moderator reden, und so redet er auch, wenn es um Butscha geht oder sonstige tatsächliche oder unterstellte Verbrechen der Russen, die er schon voller Inbrunst als „Bestien“ bezeichnet hat.

Lanz hatte es der ARD-Korrespondentin leicht gemacht. Er sagte nicht, wer getötet wurde, dass die Getöteten zwischen 18 und 20 Jahre alt waren und dass 18 von ihnen Schülerinnen waren. Er hat das im Unklaren gelassen. Auch Porträts der Ermordeten oder die Trauer der Hinterbliebenen ließ er nicht einspielen. Petersohns Aufgabe war nun, keine Stellung zum Tod der jungen Menschen zu nehmen, sondern nur noch mehr zu verwirren:

„Ja, also, es wird gesagt, dass die Ukraine da eben diese Berufsschule angegriffen haben soll. Eine Bestätigung von ukrainischer Seite gibt es nicht.“

Eine Bestätigung wovon? Erwartet jemand im Ernst, dass die Ukraine sagen würde: „Ja, wir haben ein Schulwohnheim nachts angegriffen, es starben Schüler und das ist gut so?“ In Wirklichkeit hat die Ukraine lediglich bestätigt, dass ihr Militär die Schule angegriffen hat, da in der Schule russisches Militär agiert haben soll. Petersohn ist sichtlich nervös und aufgeregt. Sie sagt, dass die Ukraine den Angriff bestätigt:

„Es wird stark abgestritten. Sie sagen, sie haben das Hauptquartier einer Elite-Drohneneinheit ‘Rubikon’ der Russen angegriffen.“

Gleichzeitig laufen Bilder auf einem großen Studiobildschirm. Wir sehen die zerstörten Innenräume dessen, was der ARD

Journalistin zufolge das Hauptquartier (!) einer Elite-Drohneinheit gewesen sein sollte. Denn Frau Petersohn redet so überzeugt! So wie der CDU-Politiker Roderich Kiesewetter der Verteidigungsminister der Ukraine sein könnte (laut Erich Vad bei “Markus Lanz”), könnte sie nun nach diesem Auftritt selbst Pressesprecherin des ukrainischen Militärs werden.

In jenem Moment, als sie den Namen der russischen Eliteeinheit ausspricht, die in der Bildungseinrichtung beheimatet gewesen sein soll, sehen wir ein Klassenzimmer mit der Aufschrift an der Wand “I love English”. Als sie “sie angegriffen” sagt und dann “man kann das nicht überprüfen”, sehen wir einen riesigen Plüschbären in einem zerstörten Schlafzimmer mit Doppelbetten. Die Szene im ZDF-Studio wird immer skurriler. Während die Bilder auf der Videowand konkret und eindeutig sind, versucht die Korrespondentin verzweifelt, den Vorfall im “Nebel des Krieges” zu verorten.

“Man kann das nicht überprüfen. Russland lässt kaum Journalisten zu; in diesen Gebieten überhaupt keine Journalisten. Und das macht’s eben sehr, sehr schwierig.”

Und das war wohl die Hauptlüge des Abends. Denn in der Realität passierte genau das Gegenteil: Russlands Behörden haben ausländische Journalisten zu einer Pressetour eingeladen, nicht nur “genehme”, auch die vom antirussischen Mainstream wie der CNN. Der Sender ARD müsste zumindest etwas von dem Angebot mitbekommen haben.

Während sie redet, laufen weiter die Bilder der Zerstörung. Man sieht Rettungskräfte, die den Schutt und Steinblöcke beiseitelegen, bis schließlich eine Sequenz kommt, in der vier Retter einen leblosen Körper in einem Tuch tragen. Was man davon sieht, sind nur zwei nackte Füße. Ob das aus dem Schutt geborgene Mädchen tot oder nur schwer verwundet ist, bleibt unklar. Die zuvor gezeigte Suchaktion und das Bild der totalen Verwüstung weisen eher darauf hin, dass das gefundene Angriffsopfer nicht mehr am Leben war.

In diesem Moment endet die Sequenz abrupt. Scheinbar haben die Bildredakteure verstanden, dass das, was sie auf die Wand projizieren, die “Expertin” als Lügnerin bloßstellt. Susanne Petersohn kann sich nun ungehindert in Rage reden. Statt die Zuschauer über das Ausmaß der Tragödie zu informieren, kommt sie mit Kommentaren bezüglich der russischen Reaktion. Es sei trotzdem zynisch, das einen Vergeltungsschlag zu nennen, denn Russland greife die Ukraine seit Jahren an, greife Zivilisten an. “Und jetzt zu sagen: Wir machen das aus Vergeltung, um irgendwelche Schläge, Großangriffe zu rechtfertigen, ist hier in den Ohren der meisten reiner Zynismus.” Aufs Neue machte die ARD-Korrespondentin klar, dass die Meinung der ukrainischen Regierungsvertreter, mit denen sie ständig spricht, auch ihre eigene ist.

Markus Lanz ist zufrieden, er fragt nicht nach, er ist froh, dass er das Thema bald abhaken kann. Der Zuschauer bekommt das Märchen ins Haus geliefert, dass Russlands Behörden vor Ort – eigentlich wie immer! – etwas verbergen, das ist die Schlussfolgerung aus der Falschmeldung, dass sie Journalisten nicht zuließen. Zum Schluss ihres Beitrags bezeichnet Petersohn den ukrainischen Angriff als vermeintlich. Es ist der Nebel des Krieges! Was will der verehrte Zuschauer? Falsch: der verhöhnte.

Das Gesicht von Lanz bleibt die ganze Zeit regungslos. Doch er ist empört, nur nicht über das Militär des Selenskij-Regimes, das junge Menschen in Schutt bombt, sondern über Russlands angeblichen Zynismus. Jetzt muss er endlich Sigmar Gabriel das Wort geben und fragt ihn: “Wie kann es sein, dass Russland einen Vergeltungsschlag für einen Angriff auf ukrainisches Territorium durchführt?” Das müssten wir uns “auf der Zunge zergehen lassen”. Petersohn nimmt die Steilvorlage blitzschnell auf und schiebt eine kurze Wortmeldung dazwischen: “Die Ukraine wollte verteidigen!” Lanz bestätigt: “Genau! Genau!” Als sie das sieht, grinst die Korrespondentin zufrieden. Sie hat etwas zu feiern: Gemeinsam mit Lanz hat sie es geschafft, ein Verbrechen in eine Heldentat umzuwandeln. Sie ist in dem Alter, dass die getöteten 18-Jährigen ihre Kinder hätten sein können.

Petersohn und der ZDF-Profi lieferten perfekt inszenierte Szenen. Sie haben vom Horror-Angriff ihrer engsten Verbündeten nicht nur abgelenkt. Sie haben noch mehr Verwirrung bei den Zuschauern gestiftet. Darauf deuten die Kommentare auf YouTube hin. Viele, die Kritik an der Sendung äußerten, besprachen nicht nur den Angriff, sondern den großen Kontext – zum Beispiel Ukraine-Hilfen in Milliardenhöhe. Doch mit der Zeit tauchten auch die Kommentare auf, die den bei Lanz entstellten Teil der Geschichte erzählten. Da Russland aufgrund der Sprachbarriere sowie mittels EU-Sanktionen und Internetsperren vom EU-Informationsraum nahezu abgeriegelt ist, ist diese Informiertheit erstaunlich.

Doch die meisten Kommentare drehten sich nicht um Starobelsk. Nur wenige Zuschauer waren von der Tatsache betroffen, dass die Opfer des Angriffs unschuldige Schülerinnen bzw. Studentinnen waren. Kommentare, die besagten, es sei eine russische Militäreinheit dort stationiert gewesen, gab es auch. Ebenso wie hasserfüllte antirussische Kommentare, die wegen Volksverhetzung eigentlich gelöscht werden müssten. Die Propaganda, egal, wie holzschnittartig sie gestaltet ist, verfängt.

Das bedeutet für die Zukunft, dass es Medien noch einfacher fallen wird, in der Kiewer Propaganda-Zentrale geschaffene Narrative, unabhängig davon, wie realitätsfern sie sind, aufrechtzuerhalten. Wenn die unbequeme Wahrheit ins Auge sticht, wird sie trotzdem nicht anerkannt. Es wird einfach geleugnet, relativiert, zerredet. Das ZDF/ARD-Krisenmanagement zum Verbrechen der deutschen engsten “Verbündeten” war damit ein voller Erfolg für die Kriegstreiber.

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