USA: Alarmstufe Rot – der gefährliche Absturz und die unaufhaltsame Gegenbewegung

Felicitas Rabe im Gespräch mit Dr. Werner Rügemer

Die Trump-Regierung hat im Dezember 2025 ihre neue nationale Sicherheitsstrategie veröffentlicht. Was steht drin – und was ist bisher daraus geworden?

In der Sicherheitsstrategie unter Trump heißt es wörtlich: “Amerika bleibt mit seinen gottgegebenen natürlichen Rechten die größte und erfolgreichste Nation der Menschheitsgeschichte. (…) Um unsere nationalen Interessen zu schützen, wollen wir das mächtigste, tödlichste und technologisch fortschrittlichste Militär der Welt. (…) Wir wollen Kriege verhindern oder sie, falls nötig, schnell und endgültig gewinnen – mit möglichst geringen Verlusten für unsere eigenen Kräfte.”

Weiter heißt es: “Wir wollen die stärkste und hochentwickeltste Wirtschaft der Welt sein, mit der robustesten industriellen Basis, auch für die Rüstungsproduktion.” (National Security Strategy of the United States of America, Seite 3)

Für diese Ziele soll die weltweite Produktion von Lügen fortgesetzt werden. Die Botschaft dazu in der Strategie lautet:

“Wir wollen Amerika als einzigartige ‘Soft Power’ erhalten, mit der wir unseren Einfluss über die ganze Welt ausüben – für unser nationales Interesse.”

Trump hat das US-Militärbudget, das mit einer Billion US-Dollar bereits größer war als die Verteidigungshaushalte der nächsten zehn Länder zusammen, um 50 Prozent auf 1,5 Billionen US-Dollar erhöht – ein historisch einmaliger Schritt. Zudem hat er das seit 1947 sogenannte “Verteidigungsministerium” (Department of Defense) wieder in “Kriegsministerium” (Department of War) umbenannt, wie es seit 1789 ohnehin immer hieß. Die UNO hat er für überholt erklärt.

Die meisten US-Präsidenten haben ihre “nationale” Sicherheitsstrategie veröffentlicht. “National” bedeutet dabei, dass nur die USA als einzige Nation souverän und sicher bleiben sollen – auf jeden anderen Staat, jede Organisation und jede Person überall auf der Erde wollen die USA zugreifen können.

Was bedeutet diese Strategie aktuell für Israel, die Golfstaaten und den Iran?

Der reichste israelisch-amerikanische Staatsbürger, Sheldon Adelson, machte seine Milliarden als “Casino-Mogul” in Las Vegas, Singapur und Macao. Seit den 1990er Jahren finanzierte er – zusätzlich zu den bekannten Israel-Lobby-Organisationen – gleichzeitig Trump und Netanjahu und verhalf ihnen politisch zum Aufstieg.

In seiner ersten Amtszeit brachte Trump einige Golfstaaten mit den Abraham-Abkommen zusammen: Sie beendeten ihre Unterstützung für die Palästinenser und erkannten Israel diplomatisch an. Die Biden-Regierung setzte dies fort. In seiner zweiten Amtszeit kündigte Trump während des israelischen Völkermords in Gaza an: “Hier werden wir die Riviera des Nahen Ostens errichten” – mit Hotels, Immobilien und Tourismus.

So entstand das Konzept der neuen, wichtigsten globalen Investitionsregion der USA: Groß-Israel mit Libanon, Syrien und den Golfstaaten – mit modernster Rüstungsindustrie, riesigen Rechenzentren, Luxusimmobilien, Infrastruktur, Sport- und Medienevents sowie Tourismus. Dies soll die US-Digitalkonzerne und Investoren wie BlackRock mit der israelischen Überwachungs- und Tötungsindustrie sowie den milliardenschweren Staatsfonds Saudi-Arabiens, Katars, der Vereinigten Arabischen Emirate usw. verbinden.

Der Iran wurde 1979 von den USA mit Sanktionen belegt, nachdem die von den USA 1953 eingesetzte Schah-Diktatur durch einen Volksaufstand gestürzt worden war. Im Einklang mit dem Völkerrecht unterstützte der Iran die von Israel bekämpften Palästinenser in ihrem Streben nach einem eigenen, von der UNO unterstützten Staat. Seit einem Jahrzehnt ist der Iran ein wichtiger Standort der von China ausgehenden Neuen Seidenstraße. Die USA und Israel führen Krieg gegen den Iran, weil dieser angeblich eine Gefahr für die neue Investitionsregion darstelle.

Freilich kann sich der Iran “überraschend” viel besser wehren, als die USA und Israel glaubten: Er kann Raketen nach Israel schicken, US-Militärstützpunkte in den Golfstaaten angreifen, die Ölindustrie dieser US-Komplizen schädigen und den Öltransport durch die Straße von Hormus kontrollieren. Die Golfstaaten als “beste Freunde” der USA werden in diesem Krieg nicht geschützt, sondern geschädigt – sie suchen nach Auswegen. Die USA schädigen die Weltwirtschaft auf allen Kontinenten, ihr Ansehen sinkt weiter.

Trump hatte vor seiner Wahl versprochen: Ich beende den Krieg in der Ukraine! Ziehen sich die USA tatsächlich zurück?

Nein. Trump ändert nur die Methoden. Die Ukraine kann den Krieg nicht gewinnen. Allerdings dient der Krieg als Übungsfeld für modernste Militärtechnik – Stichwort “Drohnen” – und um das russische Militär zu testen, bzw. dient er als Testfeld für den Krieg gegen Russland.

Operativ wird der Krieg der ausgelaugten, überschuldeten, von NATO, EU, Weltbank und BlackRock abhängigen Ukraine weiterhin vom US-Militär geführt – mithilfe von US-Satellitendaten. Beteiligt sind neben den traditionellen US-Rüstungskonzernen auch neuere wie Palantir, die zur Trump-Truppe gehören – sowie zunehmend israelische Rüstungsunternehmen.

Schließlich liefern die USA weiterhin Waffen an die Ukraine – nur dass inzwischen die europäischen NATO-Staaten wie Deutschland und die EU dafür bezahlen. Die europäischen NATO-Staaten haben auf Trumps Befehl ihre Rüstungsbudgets auf fünf Prozent erhöht. Sie hetzen gegen die “russische Gefahr”, bauen ihre eigene Rüstungsindustrie aus und wollen den verlorenen Stellvertreterkrieg der Ukraine übernehmen. Mit der Fortsetzung des Ukraine-Kriegs durch die Europäer will Trump Russland erpressen. Die USA fordern Sicherheitsgarantien dafür, dass US-Konzerne – unter Koordination von BlackRock – langfristig den “Wiederaufbau” der Ukraine anführen. Dies beinhaltet auch die Ausbeutung der Seltenen Erden.

Wie sieht Trumps nationale Sicherheitsstrategie in Lateinamerika aus?

Unter Trump haben die USA in Mittelamerika, etwa über ihr Protektorat Puerto Rico, militärisch aufgerüstet. Der Staat Venezuela wurde von den USA seit der dortigen Verstaatlichung der US-Ölkonzerne unter Präsident Hugo Chávez sanktioniert und verarmt. Die USA haben interne Regierungsgegner zu “Menschenrechtlern” stilisiert und finanziert. Monatelang suchten und finanzierten sie durch eingeschleuste Geheimdienstler Verbündete, erkundeten die Lebens- und Wohnverhältnisse des Regierungschefs Maduro, kidnappten ihn und stellten ihn mit einer erfundenen Geschichte über Drogenhandel in New York vor Gericht.

Seitdem ist Venezuela ebenfalls ein US-Protektorat: Maduros frühere Stellvertreterin Delcy Rodríguez leitet als Marionette die Regierung. Durch US-Anweisungen wurden alle Führungskräfte in Regierung, Militär, Medien und wichtigen Unternehmen ausgetauscht; das Öl wird von US-Beauftragten verkauft, und die Ölindustrie wird von US-Investoren neu aufgebaut.

Außerdem dürfen weder Venezuela noch das erpresste Mexiko weiter Öl an Kuba liefern. Der Inselstaat wird seit 64 Jahren von den USA sanktioniert und verarmt – hier will Trump jetzt die endgültige Lösung. Gleichzeitig sammelt und subventioniert Trump die wenigen neuen rechtsextremen Regierungschefs, die in Lateinamerika aufkommen: den Kettensägen-Diktator Milei in Argentinien, Kastin Chile, Bukele in San Salvador.

Trump wollte im März den chinesischen Präsidenten Xi Jinping treffen, hat den Termin dann aber auf Mai verschoben. Wie ist das Verhältnis zwischen den USA und China?

Schon Trumps Vorgänger Obama hatte 2011 die Volksrepublik China zum neuen Haupt- und Systemfeind erklärt. Genau wie gegenüber Russland spricht Trump auch gegenüber China von Frieden und Stabilität. Unterdessen erhöhen die US-Vasallen in Asien – Japan, Südkorea, Australien, Taiwan – auf Trumps Befehl ihr Militärbudget auf mindestens fünf Prozent – gegen China.

Doch durch den von Trump noch beschleunigten Völkermord in Palästina und den Krieg gegen den Iran hat sich die Stimmung in den arabischen Staaten gewandelt: China hat die USA als beliebteste Macht in der Region abgelöst, so in Ägypten, Irak, Jordanien, Libanon, Syrien und Tunesien. Das ergab eine Umfrage, auf die sich der Artikel “America Has Lost the Arab World” (Amerika hat die arabische Welt verloren) in der außenpolitischen US-Zeitschrift Foreign Affairs vom 7. April 2026 bezieht.

China arbeitet eng mit Pakistan, Russland und weiteren Staaten zusammen, um zwischen den USA und dem Iran zu vermitteln. Während China wirtschaftlich und technologisch aufsteigt, steigt in Trumps USA die Arbeitslosigkeit weiter an – trotz riesiger US-Staatssubventionen für den Bau neuer Fabriken. US-Technologie im militärischen wie zivilen Bereich erweist sich oft als unterlegen.

Weil Trumps “Amerika” gegenüber China an Boden verliert, greifen die Trumpisten die schwächeren Kooperationspartner Chinas an: Venezuela, Kuba und den Iran. Und weil Trump nicht weiß, wie er sich in China als Friedensstifter und strahlender Vertreter der “erfolgreichsten Nation der Menschheitsgeschichte” inszenieren kann, verschiebt er seinen Chinabesuch.

Die seit dem Zweiten Weltkrieg wichtigsten “Freunde” der USA, die europäischen NATO-Staaten, fordern jetzt angeblich “mehr Souveränität” gegenüber Trump – wie bewerten Sie das?

“Mehr europäische Souveränität” forderte die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel schon 2018. Sie verlangte Aufrüstung und eine europäische Armee: Ein solches Europa könne “Großes leisten”. Ähnlich äußerte sich der französische Staatspräsident Emmanuel Macron.

Das Gegenteil ist der Fall: Die wichtigsten Vorgaben für Europa kommen von Trump aus den USA: die NATO weiter gegen Russland auszudehnen, die Militärbudgets auf fünf Prozent zu erhöhen, teures US-Frackinggas zu kaufen, US-Rüstung für die Ukraine zu bezahlen und höhere Zölle für Exporte in die USA zu akzeptieren. Außerdem sollen die führenden europäischen Konzerne mehr in den USA investieren.

Allerdings entwickeln sich in diesem “westlichen Lager” gleichzeitig neue Brüche. Kanadas Premierminister Mark Carney erklärte im Januar 2026 vor dem Weltwirtschaftsforum: Die USA erweisen sich als unzuverlässig. Wir halten uns an die UN-Charta, kooperieren mehr mit anderen Mittelmächten und schließen jetzt Wirtschaftsabkommen mit China.

Die spanische Regierung unter Pedro Sánchez verbot den USA die Nutzung von US-Militärstützpunkten für den Krieg gegen den Iran. Während eines mehrtägigen Besuchs schloss sie mehrere Wirtschaftsabkommen mit China und fördert chinesische Investitionen in Spanien. Nach seiner Chinareise organisierte Sánchez ein internationales Treffen unter dem Motto “Verteidigung der Demokratie”. Dazu eingeladen waren nicht nur europäische Staaten, sondern auch BRICS-Staaten wie Brasilien und Südafrika.

Das sind wichtige Brüche, aber sie sind noch halbherzig, teilweise heuchlerisch. Der Völkermord in Palästina wird weiter unterstützt, und der Iran als Kriegsverursacher angeklagt. Russland wird verhetzt, weil es angeblich ganz Europa überfallen will. Weder Carney noch Sánchez fordern den Abzug der US-Militärstützpunkte oder den Austritt aus der US-geführten NATO. Zudem setzen EU-Führer wie der deutsche Kanzler Merz mit ihrer forcierten antirussischen Hochrüstung Europa der Gefahr eines Atomkriegs aus – dieser wird von den USA als Möglichkeit vorbereitet, wie schon im sogenannten “Kalten Krieg”.

Sie sprechen von der “Amerikanisierung Europas” – was meinen Sie damit?

Bei der US-geführten NATO und den zusätzlichen US-Militärstützpunkten in Europa – die auch wichtige Knotenpunkte der globalen US-Kriege sind, wie jetzt gegen den Iran – handelt es sich um den militärischen Teil der “Amerikanisierung Europas”. Gleichzeitig wird Europa auch “wirtschaftlich amerikanisiert”.

Bis zum Ende der Sowjetunion betrieben US-Konzerne und -Banken nur Filialen in Europa. Aber seit etwa dem Jahr 2000 haben sich die neuen US-Kapitalorganisatoren – Hedgefonds, Private-Equity-Fonds und vor allem die ganz großen wie BlackRock, Vanguard, State Street & Co. – als führende Aktionärsgruppen in den wichtigsten Unternehmen und Banken Europas etabliert – etwa in den 40 DAX-Konzernen und weiteren 150 großen Unternehmen in Deutschland.

Niemand hält so viele Aktien “deutscher” Unternehmen wie BlackRock, immer gemeinsam mit anderen US-Investoren. BlackRock ist der größte Aktionär am deutschen Wohnungsmarkt, größter Aktionär beim größten “deutschen” Rüstungskonzern Rheinmetall und so weiter.

Begleitet werden BlackRock & Co. in Europa von US-Unternehmensberatern wie McKinsey und Accenture, von Wirtschaftsprüfern wie PwC und EY, die nicht nur Konzerne, sondern auch Regierungen beraten. Die drei führenden US-Ratingagenturen S&P, Moody’s und Fitch legen die Kreditbedingungen für alle EU-Staaten sowie für große Unternehmen und Banken fest.

So ist auch in Deutschland eine Wirtschaft nach US-Vorbild entstanden. Der aktuelle deutsche Regierungschef Merz war von 2016 bis 2020 hochbezahlter Funktionär der BlackRock-Tochtergesellschaft für Deutschland und hat den Ausverkauf der wichtigsten Unternehmen vorangetrieben – lautlos und gedeckt von den Bundesregierungen und den Leitmedien.

Wie in den USA ist Deutschlands Wirtschaft extrem gespalten: Den großen, auch global aktiven Konzernen mit ihren BlackRock-Aktionären geht es so gut wie nie. Der Aktienwert im DAX stieg seit der “Krise” im Jahr 2020 auf ein Rekordhoch und schwankt nun ständig um die 25.000 Punkte. Gewinnausschüttungen und Boni für die Vorstände sind ebenfalls so hoch wie nie. Deutsche Steuergelder fließen in Form von Subventionen an BlackRock & Co. Gleichzeitig zahlen US-Konzerne – vor allem US-Digitalkonzerne – in Deutschland und Europa kaum Steuern – da ist keine Krise!

Um sie herum stirbt die Wirtschaft: Die Insolvenzen im Mittelstand und bei Selbstständigen nehmen seit der Pandemie-Politik weiter zu, die Arbeitslosigkeit steigt. Die Infrastruktur der Städte ist entweder kaputt oder privatisiert und überteuert. Die deutsche Regierung unter dem BlackRock-Kanzler Merz baut den bisherigen Sozialstaat ab. Die gesetzliche Rente der abhängig Beschäftigten ist laut Merz nur noch ein Auslaufmodell – wie in den absteigenden und noch aggressiveren USA.

Die demokratische Souveränität Europas braucht einen neuen, historischen Anlauf. Dazu gibt es bereits zahlreiche Initiativen. Sie müssen die beginnenden Brüche im US-geführten Kapitalismus noch genauer erkunden und auch außerhalb Europas neue Bündnispartner finden.

Der Kölner Publiz

Der Kölner Publizist Dr. Werner Rügemer ist Mitglied in der World Association for Political Economy und Mitherausgeber der Zeitschrift World Marxist Review. Im Jahr 2023 veröffentlichte er das Buch “Verhängnisvolle Freundschaft – Wie die USA Europa eroberten”, Papyrossa Verlag. Darin beschreibt er die Außenpolitik der USA seit ihrer Gründung als Sklavenstaat. Das Buch wurde auch in spanischer, französischer, englischer und griechischer Sprache veröffentlicht. Dieses Jahr wird es zudem in türkischer und chinesischer Ausgabe erscheinen. Seine jüngste Veröffentlichung: “BlackRock Germany. Die heimliche Weltmacht, ihre Praktiken in Deutschland und Friedrich Merz”, Verlag Hintergrund, 2. Auflage, Berlin 2025.

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