Jahrelang hielten die USA Venezuela mit einseitigen Sanktionen in einem wirtschaftlichen Würgegriff. Seit der gescheiterten US-Militäroperation gegen das südamerikanische Land und dem vereitelten Versuch, Präsident Nicolás Maduro Anfang Januar zu entführen, zeichnet sich jedoch ein allmählicher Wandel ab, der der Regierung in Caracas neuen Handlungsspielraum verschafft. Washington lockert schrittweise die Restriktionen gegen den venezolanischen Erdöl- und Finanzsektor.
Erst am Dienstag gab die dem US-Finanzministerium unterstellte Kontrollbehörde für Auslandsvermögen (OFAC) zwei Lizenzen heraus, die den venezolanischen Finanzsektor teilweise entlasten. Die erste erlaubt es der Regierung in Caracas, mit Drittstaaten Handelsgespräche aufzunehmen und Geschäfte zu vereinbaren. Allerdings bedürfen etwaige Verträge weiterhin der Zustimmung aus Washington. Von dieser OFAC-Genehmigung ausgenommen bleiben Geschäfte, an denen der staatliche Erdölkonzern PDVSA oder seine Tochtergesellschaften beteiligt sind. Dies gilt auch für Joint Ventures, deren Hauptaktionär PDVSA ist. Geschäfte mit China, Kuba, dem Iran, der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) und Russland bleiben nach wie vor verboten – ebenso wie Zahlungen in Kryptowährungen oder Gold.
Die zweite Lizenz erlaubt vier venezolanischen Geldhäusern wieder internationale Transaktionen. Auf der Liste stehen die Zentralbank Venezuelas, die Banco de Venezuela, die Banco del Tesoro und die Banco Digital de los Trabajadores.
Diese Lockerung ist von besonderer Bedeutung, da sie den genannten Banken ermöglicht, Zahlungen in Fremdwährungen zu empfangen und internationale Verträge direkt über das SWIFT-Kommunikationsnetzwerk abzuwickeln – ohne auf Vermittler in Drittstaaten zurückgreifen zu müssen.
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