Neue Strategie im US-Wahlkampf: Demokraten geißeln die “Epstein-Klasse”
Im Rennen um die Mehrheit im US-Kongress schlagen mehrere demokratische Kandidaten einen scharfen Ton an. Sie werfen ihren republikanischen Kontrahenten vor, einflussreiche Weggefährten des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein zu decken. Diese Gruppe bezeichnen sie als die “Epstein-Klasse”. Mit dieser Taktik will die Demokratische Partei die Kontrolle über beide Kammern des Parlaments von den Republikanern zurückerobern.
Während US-Präsident Donald Trump die Demokraten seit jeher beschuldigt, selbst in Epstein-Netzwerke verstrickt zu sein, gerät nun auch seine Regierung unter Druck. Kritiker von beiden Seiten des politischen Spektrums werfen dem Justizministerium vor, die im November und Januar veröffentlichten Epstein-Akten durch massive Schwärzungen zu zensieren. Dies schüre den Verdacht, dass belastende Informationen zurückgehalten würden.
Ein besonders markantes Beispiel liefert der Wahlkampf in Ohio. Dort läuft seit Wochen ein TV-Spot des demokratischen Senators Sherrod Brown. Er attackiert seinen republikanischen Herausforderer Jon Husted, dieser habe mehr Spenden von Epstein-Vertrauten kassiert als jedes andere Kongressmitglied. “Husted hat über 116.000 Dollar von einem der engsten Freunde und Komplizen Epsteins angenommen”, heißt es in dem Werbefilm. Gemeint ist der Milliardär Leslie Wexner, ein langjähriger Geschäftspartner des in Ungnade gefallenen Finanziers. Der Spot wirft Husted zudem vor, noch kurz vor seiner Abstimmung gegen die Offenlegung der Epstein-Akten eine maximale Wahlkampfspende von Wexner erhalten zu haben.
Ähnliche Vorwürfe erhebt der voraussichtliche demokratische Kandidat Graham Platner in Maine. In einem TV-Spot beschuldigt er die republikanische Senatorin Susan Collins, die Interessen der Wähler “an den Präsidenten und die Epstein-Klasse” zu verraten. Auch der demokratische Senator Jon Ossoff greift die Trump-Regierung regelmäßig an. “Das ist die Epstein-Klasse, die unser Land regiert”, erklärte Ossoff auf einer Kundgebung im Februar.
Die Republikaner weisen die Angriffe entschieden zurück. Kiersten Pels, Sprecherin des Republikanischen Nationalkomitees, bezeichnete die Vorwürfe gegenüber dem Nachrichtenportal Axios als “zynisches politisches Theater”. Sie sprach von einer “Partei ohne Botschaft und Glaubwürdigkeit”, die systematisch versuche, Stimmung zu machen.
Der Streit um die Epstein-Akten hat jedoch auch innerhalb der Republikaner tiefe Gräben offengelegt. Der ausscheidende Abgeordnete Thomas Massie, der gemeinsam mit dem Demokraten Ro Khanna den “Epstein Files Transparency Act” vorangetrieben hatte, deutete an, dass sein Einsatz für mehr Transparenz ihn in Konflikt mit Trump gebracht habe. Bei der Vorwahl in Kentucky unterlag Massie kürzlich dem von Trump unterstützten Republikaner Ed Gallrein. Dessen Kampagne wurde unter anderem von der einflussreichen American Israel Public Affairs Committee (AIPAC) und der Republican Jewish Coalition (RJC) unterstützt.
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