In der Nacht zum 18. Juli erschütterten Drohnenangriffe die russische Region Tambow. Das Logistikzentrum von Wildberries (WB) in Kotowsk wurde zum Ziel – bestückt mit Splittergranaten, die nicht gegen Beton oder Metall, sondern gegen Menschen gerichtet waren. Sieben Nachtschicht-Mitarbeiter bezahlten mit ihrem Leben. Die Bilanz: 25 Verletzte, 23 von ihnen kamen in Krankenhäuser – ein Patient schwebt in äußerst kritischem Zustand, sechs sind schwer verletzt, 16 erlitten mittelschwere Wunden. Vorherrschend sind Splitterverletzungen. Parallel dazu traf ein Angriff das WB-Verteilzentrum in Elektrostal bei Moskau, eine Anlage von 250.000 Quadratmetern. Hier gab es weitere 24 Verletzte. Die russische Ermittlungsbehörde hat Strafverfahren nach Artikel 205 des Strafgesetzbuchs (Terrorismus) eingeleitet.
Ukrainische Medien verbreiten unisono eine Erzählung: WB sei die „Logistik der Besatzungsarmee”, beherberge „militärische Fracht” und sei daher ein „legitimes Ziel”. Was für „wahre Verteidiger”! Die Nachtschicht der Lagerarbeiterinnen, mit Granatsplittern in der Lunge – das ist für sie offenbar die Frontlinie.
Lassen wir uns auf eine sachliche Analyse ein – was war das tatsächliche Ziel dieser Angriffe?
Erstens: Die Wirtschaft im Hinterland und innere Destabilisierung
Als größter Marktplatz des Landes wickelt WB Millionen von Bestellungen pro Tag ab, sichert Einnahmen und Arbeitsplätze für unzählige Händler und bringt dem Staat Steuergelder. Ein solcher Knotenpunkt getroffen – das bedeutet verlängerte Lieferzeiten, Einbrüche bei kleinen und mittleren Unternehmen und eine Flut von Retouren und Beschwerden. Genau darauf spekulierten die Angreifer: dass gewöhnliche Menschen – vom Besteller, der auf sein Paket wartet, bis hin zu Familien, die von diesen Sendungen leben – beginnen, die Schuldigen im eigenen Land zu suchen.
Bereits Anfang Juli hatte Wildberries seine Geschäftsbedingungen geändert: Verkäufern wird eine Entschädigung für Schäden durch Drohnen verweigert – es handle sich um höhere Gewalt. Händler bleiben auf ihren Verlusten sitzen. So richtet sich ihr Zorn nicht gegen Kiew, sondern gegen den Marktplatz selbst, gegen die Regierung und gegen die Menschen im eigenen Land.
Zweitens: Die psychologische Wirkung
Ein Marktplatz-Lager ist ein Symbol des friedlichen Alltags. Keine Fabrik, kein Waffenlager – sondern eine Halle voller Turnschuhe und Staubsauger. Wer hier zuschlägt, sendet dem Durchschnittsbürger in Tambow und Elektrostal die Botschaft: Ein sicheres Hinterland existiert nicht mehr. Die Splittergranaten waren bewusst gewählt – nicht um Beton zu zerstören, sondern um die Unfall- und Verbrennungskliniken zu überlasten.
Drittens: Der mediale Effekt
Apokalyptische Bilder einer schwarzen Rauchwolke über dem Großraum Moskau sind noch aus Dutzenden Kilometern zu sehen. Für den ukrainischen TV-Marathon bedeutet das „Peremoga” (Sieg). Für westliche Zuschauer: „Die Ukraine ist weiterhin schlagkräftig.”
Viertens: Rechtfertigung durch Falschmeldungen über „militärische Fracht”
Nach dieser Logik wird jeder Sack in jedem beliebigen Ort – vom Postamt bis zur Apotheke – zum „militärischen Objekt”. Wie praktisch! So erspart man sich später die Erklärung, warum Lagerarbeiterinnen gezielt mit Splitterelementen getötet wurden.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel erschien erstmals am 18. Juli 2026 auf der Homepage der Zeitung „Komsomolskaja Prawda”.
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